Mehr als 40 Jahre prägte er das kulturelle Leben in Kassel mit

Kasseler Grafiker und Maler Karl Oskar Blase ist tot

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Berühmte Plakate: Karl Oskar Blase 2012 in einer Ausstellung seiner documenta-Arbeiten der Kasseler Galerie Melchior.

Kassel. Der Meister der Gestaltung wurde 91 Jahre alt. Er entwarf Plakate und Briefmarken.

Seit längerer Zeit schon war Karl Oskar Blase an den Rollstuhl gefesselt. Doch, wo immer er es ermöglichen konnte, ließ er sich zu Ausstellungseröffnungen und Preisverleihungen fahren. Und als er vor über einem Jahr anlässlich seines 90. Geburtstages selbst geehrt wurde und den Wappenring der Stadt Kassel sowie die Ehrenmitgliedschaft des documenta forums erhielt, da konnte er die Ehrungen noch vollen Herzens genießen.

Ja, er hatte sich um die Stadt verdient gemacht und zum Fortbestand der documenta entschieden beigetragen. Am Dienstag ist er kurz vor Vollendung seines 92. Lebensjahres gestorben. Er wird neben seiner Frau in der Künstlernekropole im Habichtswald bestattet werden, für die er 2001 ein Grabmonument in Form eines riesigen Auges gestaltet hatte.

Mit Krankheit und Tod hatte er sich schon länger beschäftigen müssen. Denn er hatte seine Frau Marga, die an Alzheimer erkrankt war, bis zu ihrem Tod begleitet und hatte das Wagnis unternommen, drei Jahre lang in einem Künstlertagebuch festzuhalten, wie sie gemeinsam in das Chaos der Krankheit Ordnung bringen wollten. Das Buch „Wollten wir nicht Bilder machen“ (euregioverlag, Kassel) ist anrührend geschrieben und für sich ein Meisterwerk.

Mit dem von ihm gestalteten „Glas der Vernunft“.

Blase verstand sich als Gestalter in der Nachfolge des Bauhauses. Von dort hatte er nicht nur die Liebe zum Konstruktiven übernommen, sondern das ganzheitliche Denken. Als der Kasseler Kunstverein ihm vor über zwei Jahrzehnten die dritte Einzelausstellung ermöglichte, kam alles aus einer Hand - die Auswahl, der Katalog, das Plakat und natürlich die Hängung. Für einige Jahre hatte Blase selbst den Vorsitz im Kunstverein inne - auch in der schwierigen Phase, in der eine Gruppe von Studenten die Führung an sich zu reißen versuchte.

Der aus Köln stammende Maler und Grafiker hatte in Wuppertal studiert und war von 1952 bis 1958 zuständig für die Ausstellungsgestaltung in den Amerika-Häusern. Als er 1958 nach Kassel kam, wo er erst als Dozent an der Werkkunstschule unterrichtete, bevor er 1966 Professor für Visuelle Kommunikation an der heutigen Kunsthochschule wurde, machte zwei entscheidende Begegnungen: Mit seiner Plakatkunst passte er vorzüglich in die Kasseler Schule der Plakatkunst, die bis heute international einen guten Ruf genießt. Fast noch wichtiger wurde das Zusammentreffen mit dem documenta-Begründer Arnold Bode. Mehrfach konnte Blase, selbst Teilnehmer der d3, das grafische Erscheinungsbild der documenta prägen. 1987 gelang es ihm, aus einer Grundfigur ein Logo zu entwickeln, das so stark war, dass sich aus ihm auch eine Skulptur entwickeln ließ.

Karl Oskar Blases Grabmal in der Künstlernekropole.

Karl Oskar Blase war ein Meister der Gestaltung. Das zeigte sich nicht nur bei den großen Plakaten, sondern auch bei Briefmarken oder der Glasskulptur „Glas der Vernunft“. Dabei war es seltener der spontane Einfall, der ihn zu einer Lösung fügte, sondern eher die systematische Formentwicklung. Das galt für eine Buchgestaltung ebenso wie für seine Malerei, die ihm allerdings nicht die erhoffte Breitenwirkung gebracht hatte.

Mehr als 40 Jahre lang prägte Karl Oskar Blase das kulturelle Leben in Kassel mit. Der Vater dreier Söhne war als Ratgeber gefragt, und er war Ehrenvorsitzender im Kuratorium für den Arnold-Bode-Preis.

Von Dirk Schwarze#

Neue Galerie zeigt Blase-Plakate

Der Kasseler Schule der Plakatkunst widmet die Neue Galerie in Kassel bis zum 5. März die Sonderausstellung „Plakat Kunst Kassel“. In dieser Schau sind auch eine Reihe von Plakaten Karl Oskar Blases vor allem aus den 1950er-Jahren für die Amerika-Häuser zu sehen.

Von Mark-Christian von Busse

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