Wunderbarer Konzertabend

Abschluss des Kasseler Jazz-Frühlings: Altmeister Doldinger im Theaterstübchen gefeiert

Mit seinem Passport Quartett machte Klaus Doldinger einen Streifzug durch die Bandgeschichte.

Das Saxofon gibt eine Phrase vor, das Publikum singt im Call and Response sogar ziemlich knifflige Vorgaben beherzt nach, der Club kocht vor Begeisterung. Auf diese Weise klingt ein wunderbarer Konzertabend im Theaterstübchen aus, bei dem nicht irgendwer den Ton vorgibt, sondern die Saxofon-Legende Klaus Doldinger. Ein würdiger Abschluss des zehnten Kasseler Jazz-Frühlings.

So muss es in den Fünfzigerjahren in den Jazzlokalen zugegangen sein, in denen Klaus Doldinger seine Karriere startete, welche er an diesem Abend mit kurzweiligen Anekdoten bebildert und dabei spürbar die Wohnzimmeratmosphäre genießt.

Im Zentrum des ausverkauften Konzerts standen aber die Meilensteine aus Klaus Doldingers Schaffen als Filmkomponist und kreativer Kopf seiner Formation „Passport“. Für den Streifzug durch die Bandgeschichte steht ein fabelhaft eingespieltes Quartett auf der Bühne. Das sind Patrick Scales mit seinen messerscharfen pulsenden Basslinien, Powerschlagzeuger Christian Lettner, der mit vertrackten Soli immer wieder für Begeisterung sorgt und dazu der exquisite Keyboarder Roberto Di Gioa. Mit der linken Hand liefert dieser Streicherflächen, mit der rechten Hand werden perlende Sololinien im Fender-Rhodes-Sound addiert. Auf diese Weise entsteht der typische „Passport“-Sound. Dieser wäre natürlich nichts ohne den unverkennbaren Saxofonstil von Klaus Doldinger, die kurzen prägnanten Melodien, welche von schnellen Skalen kontrastiert und mit dem typischen Tenor-Crowling gewürzt werden.

Das elegant fließende „Ataraxia“ oder der schnelle Latin Titel „Sambucada“ sind unverwüstliche und nach wie vor zeitlos modern wirkende Titel aus den Siebzigerjahren, als Klaus Doldinger mit seiner individuellen Art von Jazz-Rock-Weltmusik-Fusion eine deutsche Antwort auf Weather Report formuliert hat.

Natürlich dürfen an diesem Abend zwei Filmmusiken nicht fehlen: „Das Boot“ und die Titelmusik zum „Tatort“. Die Band spielt mit ungeheurer Kraft und Frische und darüber jubiliert das Saxofon. Standing Ovations für einen Musiker, der akustische Ikonen der Filmmusik komponiert hat und dem Publikum verspricht: Bis zum nächsten Mal!

Von Hartmut Schmidt

Rubriklistenbild: © Fischer

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