Kasseler Kunsthochschul-Absolvent Nico Sommer über seinen Berlinale-Film

Beginnt ein neues Leben: Lina Wendel spielt Silvi, die sich nach dem Ende ihrer Ehe neu orientieren muss. Foto:  nh

Berlin. Kürzlich noch Filmstudent in Kassel - jetzt mit einem 90-minütigen Kinofilm in der renommierten Sektion Perspektive Deutsches Kino auf der Berlinale: Der 29-jährige Nico Sommer startet in diesem Februar richtig durch.

Wovon handelt Ihr Film?

Nico Sommer: Eine 47-jährige Frau wird in „Silvi“ überraschend von ihrem Mann verlassen. Sie steht in den Trümmern ihrer Ehe und muss da rauskommen. So begibt sie sich in einen Dating-Wahnsinn und trifft viele Männer.

Wer ist diese Silvi?

Sommer: Eine normale Frau. Sie ist einsam und will wissen, was es da draußen noch gibt. Der Film beruht auf einer wahren Begebenheit.

Sie haben in früheren Arbeiten viel mit dem Genre Dokufiktion gearbeitet, also mit Spielelementen, die als Dokumentation daherkommen. Machen Sie das hier auch?

Sommer: Ja, aber nicht mehr so stark wie früher.

Was sagt die Frau, deren Geschichte Sie verfilmt haben?

Sommer: Sie war die Erste, die den Film gesehen hat. Sie war sehr berührt und hat geweint. Ein schönes Kompliment für den Film.

Es ist Ihr erster 90-Minüter. Was muss man da beachten?

Sommer: Ich hatte viel mehr auf die Dramaturgie zu achten, damit die Geschichte trägt. Das ist bei kurzen Filmen nicht so riskant. Und: Den Film einmal zu kontrollieren, dauert eben nicht zehn, sondern 90 Minuten. Die Zahl der Drehtage - wir hatten 30 - ist gar nicht so entscheidend.

Hatten Sie eine Förderung?

Sommer: Nein, wir haben alles selbst finanziert. Unter anderem mit Crowdfunding im Internet. Ich habe auch Freunde und Bekannte gezielt angesprochen. Das hat geklappt. Man muss nur ehrlich mit dem Thema umgehen.

Wie hoch ist Ihr Budget?

Sommer: Darüber reden wir nicht. In der Branche gilt alles, was unter einer halben Million ist, als Low Budget. Dann sind wir definitiv No Budget.

Wie ist das mit der Berlinale, haben Sie beim Leiter Dieter Kosslick angerufen und nach dem Wettbewerb gefragt?

Sommer: Beim Wettbewerb hat man ja nur Mikrochancen. Nein, man bezahlt die Servicegebühr, reicht seinen Film ein und der wird in mehreren Sektionen gesichtet. In die „Perspektive Deutsches Kino“ passt „Silvi“ genau: Dort wird der deutsche Nachwuchs gefördert.

Kriegt man dann einen richtigen Brief oder nur eine SMS mit der Zusage?

Sommer: Einen persönlichen Anruf - Glückwunsch, Ihr Film läuft auf der Berlinale.

Haben Sie Ihr Team dann sofort zur Party eingeladen?

Sommer: Das war finanziell nicht drin. Aber wir feiern nach der Premiere.

Haben Sie sich informiert, was sonst für Filme in der „Perspektive“ zu sehen sind?

Sommer: Das Mischen von Fiktion und Realität ist Trend. Das machen mehrere.

Sie arbeiten jetzt mit einer Agentur. Braucht man das?

Sommer: Ich möchte größtmögliche Aufmerksamkeit erzielen, auch im Hinblick auf Filmverleiher. Die warten traditionell ab, wie das Premierenpublikum reagiert. Ich bin da aber relaxt, ich kann auch selbst den Verleih machen. Der Film soll auf jeden Fall ins Kino. Der Stoff hat Potenzial.

Was ziehen Sie auf dem roten Teppich an?

Sommer: Ein weißes Shirt mit einem Spruch, der neugierig auf den Film machen soll.

Zur Person Nico Sommer

Nico Sommer, 29, verheiratet, ein Kind, studierte von 2006 bis 2011 in Kassel. Filme: „Stiller Frühling“, „Vaterlandsliebe“, „Die Taktstürmer“, „Solokind“, „Schwarz Weiss Deutsch“. Sommer lebt wieder in seiner Geburtsstadt Berlin und hat dort die Firma Süsssauerfilm.

Von Bettina Fraschke

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