Kasseler Kunstpreis: Ann Schomburg ist „ein Phänomen“

Sie ist ein Unikat: Ann Schomburg mit einer ihrer Arbeiten, Kuchen mit der Aufschrift „The Only Sin Is Not To Sin“ (die einzige Sünde ist, nicht zu sündigen), der bei der Feier verspeist wurde. Foto: Fischer

Kassel. Unter niedrigen Zinserträgen leiden nicht nur Sparer. Das „grottenschlechte Zinsniveau“, wie es Oberbürgermeister Bertram Hilgen formulierte, „trifft auch die Stiftungen“. Zum Beispiel die Dr.-Wolfgang-Zippel-Stiftung, die Künstler und Musiker fördert, insbesondere durch die Verleihung des Kasseler Kunstpreises.

So gab es bei der Preisvergabe am Donnerstagabend im Südflügel des Kulturbahnhofs – anders als in den Vorjahren – keinen Träger im Bereich Musik. Ausgezeichnet wurde in der Sparte Kunst Ann Schomburg, 28, Absolventin der Kasseler Kunsthochschule.

Deren Prorektor Prof. Joel Baumann und Galerist Milen Krastev fanden in ihrer Laudatio sehr persönliche Worte für die Meisterschülerin von Prof. Urs Lüthi, die 7500 Euro erhält. „Sie ist ein Phänomen“, sagte Baumann, „ein Unikat“, bei dem Kunst und Leben sich überlagern, verschmelzen. Schomburg, die mit vielfältigen Medien wie Malerei, Fotos und Videos arbeitet, schöpfe die Kunst aus sich selbst, spiele mit Klischees, hinterfrage ihre Rolle. Ihr Auftritt – „wir reden von High Heels, Busen, roten Lippen, Minis“ – sei bewusst gewählt, fließe authentisch und mit ironischem Humor in ihre Kunst ein und provoziere: „Alle reagieren darauf.“

Energie, Intensität, durchschlagende Kraft, Mut, Feingefühl, Leidenschaft und Leichtigkeit schrieben die Laudatoren Schomburg zu. „Sie klatscht uns auch schmutzige Wahrheiten ins Gesicht“, sagte Krastev, „wir werden vom hohen Ross des Kunstbetrachtens heruntergerissen und ordentlich durchgeschüttelt.“

Nicht zuletzt reagiere Schomburg – die bereits vor acht Jahren für die Linke für die Bundestagswahl kandidierte und zeitweilig Stadtverordnete war – ganz selbstverständlich auch politisch auf die Zustände.

Bei der vom Gamelan-Ensemble um Ulli Götte umrahmten Verleihung wurden Fördermittel über 7000 Euro und Ankäufe für die Arthotek vergeben. Erworben wurden - die während der Feier ausgestellten - Werke von Jea-Yun Lee, Rita Ostrowskaja, Flaut Michael Rauch und Helena Schätzle.

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