Im Kasseler Kunstverein werden die Weichen neu gestellt

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Wunsch, sich zu verorten: Blick ins temporäre Kunstvereinsheim, in dem im Vorjahr auch Susanne Bayer ausstellte.

Kassel. Dem Kasseler Kunstverein stehen 2013 einschneidende Veränderungen ins Haus. Bernhard Balkenhol, seit 1996 an der Spitze, wird bei der Mitgliederversammlung im März nicht erneut kandidieren. Mit dem Dozenten an der Kunsthochschule treten fast alle Vorstandsmitglieder ab.

Balkenhol findet einen Generationswechsel an der Zeit. Jüngere sollten den Verein „neu definieren“. Bislang habe der Vorstand einen Querschnitt seiner Mitglieder abgebildet. Das, lässt es Balkenhol anklingen, hält er für sinnvoll. Genauso, wie dass der Vorstand Unabhängigkeit behält - gegenüber vielerlei Erwartungen, in der Stadt, gegenüber dem Markt und dem Nachbarn, also der Kunsthalle Fridericianum.

Ziel sei bislang gewesen, auch sperrige Positionen zu zeigen, eben um sie dadurch zu verstehen; inhaltlich, thematisch zu arbeiten, von einem bestimmten Kunstbegriff aus, nicht nur Künstlernamen zu präsentieren. Dieses Selbstverständnis eines Hauses für Gegenwartskunst müsse bekräftigt werden - oder umgeworfen.

Bernhard Balkenhol

Balkenhol ist froh, den Verein im „geordneten Zustand“ zu übergeben. Zurzeit bezieht das Büro nach der documenta die angestammten Räume im Fridericianum. Der Umzug ist ein 60.000 Euro teurer Kraftakt (je ein Drittel zahlen Stadt und Land), der eine Chance birgt: „Wir müssen die Räume neu denken.“ Diesmal wird der Eingangsbereich anders gestaltet.

Balkenhol ist froh über den unbefristeten Mietvertrag wie über die großzügige Unterstützung im Rathaus. „Die Stadt weiß, was sie an der Kultur hat.“ Auch die Solidarität der Kulturschaffenden sei groß: eine „tragende Kraft“. Generell aber hätten sich die Bedingungen „dramatisch verschlechtert“, vor allem durch Preissteigerungen. „Wir können nur die Hälfte wie vor 20 Jahren machen“, sagt Balkenhol - heißt: sechs statt damals 12 Ausstellungen. „Unglaublich anstrengend“, sagt Balkenhol, das Programm sei „immer wieder ein waghalsiges Unternehmen“.

Auf das documenta-Jahr blickt Balkenhol zufrieden zurück: Das temporäre Kunstvereinsheim an der Werner-Hilpert-Straße sei ein Ort fröhlicher Geselligkeit und des Rückzugs gleichermaßen gewesen. Unter dem Motto „trans“ habe man verschiedenen Formen des Transitären nachgespürt: dem Zwang, sich zu verorten und gleichwohl beweglich zu bleiben. In gewisser Hinsicht bleibt „trans“ das Kunstvereins-Motto für 2013 - in einem Jahr des Übergangs.

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