Kasseler Literaturpreis an Brenner-Autor Wolf Haas

Krimi-Autor und Sprachkünstler: Der österreichische Schriftsteller Wolf Haas (54). Foto: dpa

Kassel. Nirgendwo wird lustiger gestorben als in seinen Brenner-Krimis. Nun bekommt der österreichische Bestsellerautor Wolf Haas den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor.

Wenn man es genau nimmt, hat Wolf Haas seinen Beruf verfehlt. In seinem Roman „Verteidigung der Missionarsstellung“ fragt der österreichische Autor: „Bedenkt man das eigentlich als Schriftsteller, dass die meisten Leute im Bett lesen, um müde zu werden?“ Haas schafft es einfach nicht, einen einschlafen zu lassen. Zu komisch sind seine Bücher, vor allem die Krimis um den Detektiv Brenner.

Auch dafür bekommt der 54-Jährige am 20. Februar 2016 den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor. Die mit 10 000 dotierte Auszeichnung wird seit 1985 von der Stiftung Brückner-Kühner und der Stadt Kassel an Sprachkünstler vergeben, deren Werk sich durch Humor, Komik und Groteske auszeichnet.

Wer ist Wolf Haas überhaupt?

Einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Krimi-Autoren. Seine Geschichten um den Privatdetektiv Simon Brenner erreichen Millionenauflagen. Vier wurden mit dem Kabarettisten Josef Hader in der Hauptrolle verfilmt. Dabei findet Haas das Krimi-Genre eigentlich langweilig.

Haas wurde in Maria Alm am Steinernen Meer kurz hinter der deutsch-österreichischen Grenze geboren, studierte Germanistik und schrieb seine Dissertation über die Grundlagen der Konkreten Poesie. Bevor er 1996 mit dem ersten Brenner-Krimi „Auferstehung der Toten“ den Durchbruch als Autor schaffte, arbeitete der Wiener, der über sein Privatleben kaum etwas verrät, als Werbetexter und Deutschlehrer.

Hat Haas den Kasseler Literaturpreis verdient?

Auf jeden Fall. Der Autor „verquickt auf einzigartige Weise die Kunst der Unterhaltung mit ausgefeilten Sprach- und Erzählexperimenten“, wie es in der Begründung des Stiftungsrates heißt. Stilistisch überzeugt Haas dabei mit „Wortneuschöpfungen, Abschweifungen, Verkürzungen oder einer Kunstsprache“.

Was sollte man von ihm gelesen haben?

Alle acht Brenner-Krimis, denn „nirgendwo wird lustiger gestorben“, wie ein Kritiker schrieb. Toll ist auch der Roman „Das Wetter vor 15 Jahren“, den Haas in Form eines Interviews erzählt. Dabei mag der Autor auch keine Interviews: Sie seien „wie Weißbrotessen. Leicht zu essen, aber geringer Nährwert. Längere Prosapassagen sind dagegen wie Biovollkornmüsli.“

Alle Preisträger

1985: Loriot

1986: Eike Christian Hirsch

1987: Ernst Jandl

1988: Wolfgang Preisendanz

1989: Irmtraud Morgner

1990: Ernst Kretschmer

1991: Robert Gernhardt

1992: Walter Hinck

1993: Christoph Meckel

1994: Volker Klotz

1995: Hanns Dieter Hüsch

1996: Karl Riha

1997: Max Goldt

1998: Franzobel

1999: Ingomar von Kieseritzky

2000: Peter Bichsel

2001: George Tabori

2002: Franz Hohler

2003: Eugen Egner

2004: Ror Wolf

2005: Katja Lange-Müller

2006/7: Gerhard Polt

2008: F. W. Bernstein

2009: Peter Rühmkorf

2010: Herbert Achternbusch

2011: Thomas Kapielski

2012: Ulrich Holbein

2013: Wilhelm Genazino

2014: Dieter Hildebrandt

2015: Frank Schulz

2016: Wolf Haas

Der Förderpreisträger wird später bekanntgegeben.

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