Kasseler Macken: Jürgen von der Lippe las in Vellmar

Man musste einfach über ihn lachen: Komiker Jürgen von der Lippe. Foto: Schockenhoff

Vellmar. Einen „Ritt durch die Weltliteratur der letzten 300 Jahre“ versprach Jürgen von der Lippe den Zuhörern seiner Kurzgeschichten beim Auftakt des ersten Leseherbsts in Vellmar. Und er bewies in seiner gut zweistündigen Lesung, dass er in fast jedem Genre Geschichten mit dem flapsigen von-der-Lippe-Humor schreiben kann, der zu Lachtränen und hysterischen Kicheranfällen führt.

So geschah es auch in der fast ausverkauften Mehrzweckhalle in Vellmar, wo der Komiker und Fernsehmoderator zunächst eine Geschichte über einen gewissen Donald las, der in seiner Stammkneipe unter dem Besuch eines Damenkegelclubs leidet. Das Ende der Geschichte kam für die Zuhörer so überraschend, dass sie das Klatschen vergaßen. „Sie dürfen ruhig klatschen, davon haben wir alle etwas: Sie haben Bewegung und ich fühle mich geliebt“, scherzte von der Lippe. Die Zuschauer taten ihm gern den Gefallen.

Anschließend richtete von der Lippe die Aufmerksamkeit des Publikums auf einen Fußballplatz voller Wettbetrüger und gekaufter Spieler, einen Orang-Utan in der Sauna und einen berlinernden Trapper am Marterpfahl.

Zwischendurch erzählte der Autor, was ihn zu seinen Geschichten inspiriert hatte. Den Text über Emil, den Sohn eines Geisterbahnbetreibers, der unsichtbar wurde, wenn er an sich rumspielte, hatte er erdacht, weil er schon als Kind vom Kirmes-Milieu fasziniert war.

Nach der Pause las von der Lippe unter anderem aus älteren Sammelbändern kleiner Gemeinheiten. Aus diesen stammen Anrufbeantwortersprüche wie „Ich wusste, dass Sie anrufen würden, deshalb bin ich abgehauen“ oder Schmähreime wie „Deutschlands Drohung Nummer eins ist immer noch ,Mainz bleibt Mainz’“. Für die Zuhörer bastelte von der Lippe diesen Reim: „Liegend reihern, stehend kacken - sind nicht des Kasselers einzige Macken.“

Als zweite Zugabe trug von der Lippe Gedichte vor, die er mit seiner Frau bei der Wassergymnastik erdacht haben wollte. Für religiöse Zuhörer hatte er dabei folgenden Vers im Gepäck: „Neulich schaute Gott mal wieder von seiner Wolke auf uns runter. Zeugen hörten ihn laut denken: ,Man müsst’ sie wieder mal ertränken’.“

Leseherbst Vellmar, Samstag, 20 Uhr, Piazza, Brüder-Grimm-Straße: Kirsten Fuchs, Sebastian Lehmann und Volker Surmann („Sex - Von Spaß war nie die Rede“)

Von Friederike Schockenhoff

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