Kasseler Martin Roelly hat die Filmkomödie „Eine Insel namens Udo“ produziert

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Mitten in einem Kaufhaus: Udo (Kurt Krömer) kann auf einmal gesehen werden. 

Kassel/Köln. Schon über 75.000 Zuschauer haben die deutsche Sommerkomödie „Eine Insel namens Udo“ mit Comedystar Kurt Krömer angeschaut, die gerade in den Kinos läuft. Produziert wurde Markus Sehrs Regiedebüt von Hupe-Film, der Firma des ehemaligen Kasselers Martin Roelly.

Im Film geht es um Udo, der von seinen Mitmenschen fast gar nicht gesehen werden kann und sich in der Unsichtbarkeit eingerichtet hat - als Kaufhausdetektiv. Als die chaotische Jasmin ihn sieht, kommt die Liebe ins Spiel. Wir sprachen mit Roelly über den Produzentenjob, Kurt Krömer und die Schwierigkeit, ein Kaufhaus zu finden.

Bitte erklären Sie, was Sie als Produzent genau tun.

Martin Roelly: Wir haben dafür zu sorgen, dass der Film finanziert wird. Wir sind über Sönke Wortmanns Produktionsfirma Little Shark an den Stoff gekommen. Wir haben am Drehbuch mitgearbeitet und haben dem Film den letzten Schliff gegeben.

Was ist Ihnen an diesem Film wichtig?

Roelly: Dass es kein Hau-drauf-Humor ist. Es ist eine schräge Komödie, ein extrem charmantes Drehbuch.

Was war die größte Herausforderung beim Dreh?

Roelly: Der Film spielt zu wesentlichen Teilen in einem eleganten Kaufhaus. Wir haben lang nach einem Ort gesucht, der zum Film passt und wo man drehen darf. Irgendwann hat unser Szenenbildner gesagt, ich kriege das hin, ich baue das selbst. Und dann sind wir in Köln in die alte Bahndirektion gegangen.

Und dort haben Sie das Kaufhaus nachgebaut?

Roelly: Ja, zwei Etagen. Camping, Kleidung, Kosmetik. Nur die Lebensmittelabteilung nicht, da haben wir in einem Supermarkt gedreht.

Was war für den Dreh am schwierigsten?

Roelly: Wir haben uns die Produkte ausgeliehen. So ein Lippenstiftständer ist zum Beispiel ganz schön teuer. Und wenn man so viele Komparsen am Set hat, ist es ein bisschen riskant, dass da nicht doch mal etwas wegkommt.

Außen am Haus ist ein Kaufhaus-Schriftzug zu sehen ...

Roelly: ... der ist digital erzeugt.

Mit welchem Budget konnten Sie arbeiten?

Roelly: Für einen Debütfilm hatten wir viel: 1,2 Mio. Euro.

War es schwierig, das Geld zusammenzubekommen?

Roelly: Eigentlich nicht. Wir hatten erst die Hauptdarsteller Kurt Krömer und Fritzi Haberlandt im Boot, dann ist X-Verleih aufgesprungen, ab dann war es einfach, weil die Geldgeber jetzt sicher sein konnten, dass der Film auch ins Kino kommt.

Wie sind Sie an die beiden Hauptdarsteller gekommen?

Roelly: Fritzi war schon von Anfang an dabei. Kurt hat unsere Casterin vorgeschlagen, wir wollten die Rolle bewusst nicht mit einem Schauspieler besetzen. Wir haben ganz konventionell angefragt. Er fand das super. Uns allen war wichtig, dass das Projekt nicht „Kurt Krömer - der Film“ wird.

Die Kritiken waren ziemlich gemischt. Lesen Sie die?

Roelly: Natürlich. Wir sind interessiert, wie der Film ankommt. In meiner Brust schlagen zwei Herzen, ich bin auch Theaterleiter in einem Kölner Kino. Mit war klar, dass sich die Kritiken nicht überschlagen werden. Schade war, dass ein bisschen unterging, dass das ein Filmdebüt war. Wahrscheinlich weil es ungewöhnlich ist, dass so eine Arbeit mit 170 Kopien sehr groß in den Kinos startet. Einige Kritiken beschäftigten sich damit, dass es eben nicht „Kurt Krömer - der Film“ geworden ist. Aber die Krömer-Fans, mit denen ich bei Premieren gesprochen habe, fanden es gerade spannend, ihn so zu sehen.

Welche Projekte haben Sie sonst in Arbeit?

Roelly: Wir machen hauptsächlich Dokumentarfilme. Uns ist wichtig, den Stoff mitzuentwickeln, und Stoffe, die uns am Herzen liegen, auf die Leinwand zu bringen. „Work hard - Play Hard“ ist demnächst eine „Arte“-Doku über moderne Arbeitswelten.

„Eine Insel namens Udo“ läuft im Cineplex Capitol und im Cinestar.

Von Bettina Fraschke

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