Kasseler Musiktage: Francesco Angelico dirigierte Rossinis „Stabat Mater"

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Gefeiertes Konzert: Dirigent Francesco Angelico, der Chor Cantiamo, das Staatorchester Kassel und Solisten.

Gioachino Rossini macht es den Interpreten mit seinem bedeutendsten Werk, dem „Stabat Mater“, nicht leicht.

Wird diese Musik, die das Leid Marias bei Jesu Kreuzigung mit den Worten eines mittelalterlichen Mönchsgedichts schildert, zu opernhaft virtuos dargeboten, wirkt sie glatt. Mit der ernsten Strenge eines deutschen Oratoriums versehen, verliert sie ihre ausdrucksstarke Vitalität.

Ein Glücksfall war da die Aufführung, die Kassels Generalmusikdirektor Francesco Angelico bei den Kasseler Musiktagen in der Martinskirche leitete. Leichtigkeit und Tiefe, Eleganz und Würde verbanden sich wie selbstverständlich – ein starkes Plädoyer für das in Deutschland lange Zeit geschmähte zehnsätzige Werk.

Angelico führte das Staatsorchester mit den mehr als 80 Stimmen des Kasseler Universitätschores Cantiamo (Einstudierung: Andreas Cessak) und dem hochkarätigen Solistenquartett zu einem Ensemble mit klarem Profil zusammen – schade, dass diese Zusammenarbeit in nur eine einzige Aufführung mündete.

Die verhalten düstere Einleitung des „Stabat Mater dolorosa“ mit ihren orchestralen Seufzerfiguren und der chorischen Klage hellt sich mit der folgenden Tenorarie „Cuius animam gementem“ (ausdrucksstark mit hellem, klarem Ton: Linard Vrieling) auf – und im Changieren dieser Stimmungen findet Rossinis „Stabat mater“ bei aller Verschiedenheit der Sätze (zwei davon sind rein a cappella) einen berührend-suggestiven Ton.

Etwa auch in der wunderbaren Einleitung mit Horn-Klängen und Streicherpianissimo zum Duett „Quis est homo“, das Louise Kemény mit klar timbriertem Sopran und Maria Fiselier mit warmem Alt-Wohlklang gestalteten. Ausdrucksstark gab der Bass André Morsch in dem sanft bewegten, harmonisch komplexen „Sancta Mater“ dem Solistenquartett das Fundament.

Anfangs etwas zurückhaltend, doch dann frisch aufblühend präsentierte sich der Cantiamo-Chor, der im dramatischen Satz „Inflammatus et accensus“ zeigte, dass er auch zur Attacke fähig ist. Souverän wurde der komplexe Chorsatz der „Amen“-Doppelfuge im Finale bewältigt.

Minutenlanger Beifall in der voll besetzten Martinskirche belohnte die Akteure.

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