Kasseler Musiktage mit Martina Filják und Marija Pavlovic

Gemeinsam für den musikalischen Teil zuständig: Pianistin Martina Filják (links) und Klarinettistin Marija Pavlovic. Foto:  Schachtschneider

Kassel. „Es ist schwer, so spät ein Werk wie die Hammerklaviersonate zu hören. Es ist auch schwer, sie so spät zu spielen.“ Es war 22.30 Uhr, als die kroatische Pianistin Martina Filják sich am Samstagabend so von ihrem begeisterten Publikum im Ständesaal verabschiedete.

Für die 30-Jährige war es das Ende eines langen Arbeitstages, und um ein wenig die Spannung zu lösen, spielte sie noch das Intermezzo aus Robert Schumanns „Faschingsschwank aus Wien“ - „nur für mich“, wie sie sagte, aber in Wirklichkeit doch auch für die 80 Zuhörer des Salons.

Zuvor hatte Martina Filják Beethovens mit einer Dreiviertelstunde Spieldauer umfangreichste und komplexeste Klaviersonate bravourös bewältigt. Sie hatte sich mutig in die Akkordtürme des Beginns gestürzt, den grimmigen Punktierungen des Scherzos Profil gegeben, mit wachem Geist die Weiten des 20-minütigen Adagios durchwandert, um dann den ebenso wilden wie vergeistigten Fugensatz mit Klarheit und manueller Klasse zu spielen.

Mit Licht und Schatten

Dieser Abschluss stellte alles in den Schatten, was zuvor in fünf Stunden Musik, Lesung und Diskussion im Forum und im Salon der Kasseler Musiktage geboten wurde. Martina Filják hatte den musikalischen Teil beider Veranstaltungen zusammen mit der ebenfalls aus Kroatien stammenden Klarinettistin Marija Pavlovic bestritten – und dabei hatten sich Licht (Debussy-Rhapsodie) und Schatten (Brahms-Sonate f-moll op. 120) abgelöst.

So wie in der Erzählung „Die Sonnenfinsternis“ von Adalbert Stifter, die von der Schauspielerin Heidi de Vries im Forum vorgetragen wurde, und die in ihrer epischen Schilderung eines zweiminütigen Naturphänomens einen Begriff davon gab, was Entschleunigung bedeuten könnte.

Brauchen wir statt eines sich überschlagenden technischen Fortschritts nicht ein Innehalten, auch Mäßigung? Und was kann Musik dazu beitragen? Das fragte Diskussionsleiter Manfred Osten im Salon die Politikerin Nicole Maisch, den Wissenschaftler Prof. Hans Brinkmann und den Musikologen Dieter Rexroth. Es war letztlich an den Komponisten Diego Feinstein und Eric Domenech, daran zu erinnern, dass Komponisten sich nicht in den Dienst eines gewünschten Bewusstseinswandels zu stellen haben, sondern in Freiheit kreativ sein dürfen.

Von Werner Fritsch

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