Zeitgeistige und fantasievolle Texte

Nicht auf Krawall gebürstet: So emotional sind die Texte vom Kasseler Rapper Moe Phoenix

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Mit Gefühl: Moe Phoenix rappt lieber über Liebe als Muskeln. 

Respekt. Ein Wort, dass Moe Phoenix wichtig ist. Dass das nicht nur eine Floskel ist, mit der der R’n’B-Sänger und Rapper punkten will, hört man jedem seiner Songs an.

Anders als bei anderen Rappern geht es in seiner Musik nicht darum, möglichst schnell und brutal deutlich zu machen, wie reich, stark und muskelbepackt man ist. Und weil das wunderbar funktioniert, kommt mit Moe Phoenix der derzeit interessanteste HipHop-Aufsteiger aus Kassel.

Moe Phoenix, der auch als Moé bekannt ist, heißt eigentlich Mohamed Chaouki und ist schon lange im Musikgeschäft. Der Musiker libanesischer Herkunft hat 2015 bereits mit KC Rebell „Bist du real“ veröffentlicht. 

Und: Sein gerade erschienenes Album „Emoetion“ ist der Beweis dafür, dass man nicht Wut im Bauch haben muss, um mit Rapmusik erfolgreich zu sein. Er ist ganz und gar nicht auf Krawall gebürstet: Seine Texte kreisen nicht um Drogen, Sex, Bling-Bling und Gewalt und sein Sound ist nicht Retro – wie bei den Beginnern oder den Fantastischen Vier.

Menschlichkeit liegt ihm am Herzen

Er schafft es während der gesamten Spielzeit der 18 Titel eine Grundspannung zu erhalten. Im Grunde genommen ist es mit seiner Musik wie bei einer guten Serie: Man will nach jeder Folge sofort wissen, wie es weitergeht. Das liegt auch daran, dass Moe Phoenix zeitgeistig und fantasievoll textet. 

Einen ehrlicheren Einstieg in ein Album als das im Internet bereits mehr als zwei Millionen Mal geklickte „Mensch ist Mensch“, hat man selten bekommen. Den Titel hat er für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) geschrieben – das Thema Menschlichkeit liegt ihm am Herzen. Und das nimmt man ihm ab. Der Song klingt wertvoll, weil ehrlich.

Seine Musik wurzelt im Trap, ist eingängig und chillig. Oft kommt sie ohne Autotune aus, dazu knackigst gemischte Drums. Elemente aus Soul und R’n’B sind klar erkennbar. Einige Songs haben einen synthetischen, fast alle einen deutlich arabesken Pop-Anstrich – von allem gerade so viel, dass es nicht nervt. Mal etwas Calypso (das mehrsprachige „ILoveu“) macht das Ganze noch etwas unterhaltsamer. 

Stimme mit hohem Wiedererkennungswert

Fröhliche Textzeilen wie „Ich schreibe diese Zeilen nur für sie. Heut sing ich für sie im Radio“, im extrem tanzbaren Liebeslied „Radio“ sind fast schon zu süß für einen Rapper, aber vor Gefühlen hat Moe Phoenix eben keine Angst. Anders als davor, dass sein Handy-Ladekabel verloren geht, wie man in „3%“ hört („Heute bin ich ein Frauenheld, denn ich habe eine Powerbank“). Humor ist also auch sein Ding.

Das größte Kapital aber ist die Stimme des 34-Jährigen. Er klingt weich, sanft, locker, kann aber auch Stärke ausdrücken. Er hört sich immer angenehm unangestrengt an und hat einen hohen Wiedererkennungswert. Das Soundbild dazu tragen atmosphärische Beats, die zur Stimmung passen. „Es sind Lieder, die auch etwas mit mir zu tun haben. Wenn die bei den Leuten ankommen, erfüllt mich das mit Liebe“, sagt er.

Wenn Jugendliche künftig statt Songs über Benz, Bitches und Bling-Bling lieber die Titel von Moe Phoenix laufen lassen, verdient der Sänger aus Kassel vor allem eines: Respekt.

Wertung: 5 von 5 Sternen

Moe Phoenix: Emoetion (Universal Music)

Termin: Moe Phoenix auf Tour, 18.10., 130bpm, Kassel

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