Seine Musik soll eine Botschaft transportieren

Kasseler Rapper Ses-Kes über erstes Album - "Mache auf Hetzerei aufmerksam"

Neue Musik: Das erste Album des Kasseler Rappers Ses-Kes alias Hakan Harmanci ist soeben erschienen. Fotos: nh

Kassel. Der türkischstämmige Rapper Ses-Kes, bürgerlich Hakan Harmanci, hat das Album „Haci Bekir Lokumu“ veröffentlicht. Im HNA-Interview erklärt der Kasseler, was seine Themen sind und warum er auf Türkisch rappt.

Sie rappen in türkischer Sprache. Was sind Ihre Themen? 

Hakan Harmanci: Ich behandle alltägliche Themen aus meinem Leben. Zum Beispiel wie es ist, mit türkischem Migrationshintergrund in Deutschland zu leben. Es gibt gute und weniger gute Seiten daran. Die Themen betreffen meine Band Zeit für Klarheit. Ich mache auf Hetzereien aller Art in den Medien aufmerksam und distanziere mich von Rapmusik, die unter die Gürtellinie geht. Meine Musik soll eine Botschaft transportieren.

Was ist Ihre Botschaft? 

Harmanci: Ich möchte die Lügen der Branche aufdecken. Man hört ständig, dass Geld die Welt verändern könnte. Ich glaube, dass es auch anders geht. Wir sind Menschen und können uns verständigen. Die 19 Songs des Albums handeln nicht von Politik, sondern vom Menschen. Ich thematisiere, wie die Musik mich und meine Freunde verändert hat.

Wie sind Sie zum Rap gekommen?

Harmanci: Vor sieben Jahren haben mein Cousin und ich damit angefangen, uns gegenseitig zu batteln. Wir haben uns auf verbaler Ebene angegriffen. Dabei kam uns die Idee, professionell Musik zu machen. Wir machten zu der Zeit in meiner türkischen Heimatstadt Denizli Urlaub. Zwei Tage bevor wir zurückflogen, ist er bei einem Autounfall gestorben. Ich war verzweifelt, als ich zurück in Deutschland war, und beschloss, die Musik meinem verstorbenen Cousin zu widmen. Mit meinem Hip-Hop-Stil will ich ein Vorbild für meine Geschwister sein.

Warum rappen Sie auf Türkisch? 

Harmanci: Ich habe in einer fünfköpfigen Band zunächst Deutschrap gemacht. Zwei Mitglieder haben allerdings aufgehört. Als Trio hat „AliGator“ weiter auf Deutsch gerappt, „rapgen“ und ich haben mit türkischer Rapmusik weitergemacht. Da sehe ich mehr Potenzial, Leute zu erreichen. Es gibt ja schon sehr viele erfolgreiche deutschsprachige Rapper. Das muss ich nicht auch machen. Auf YouTube gibt es ein älteres Video von mir in deutscher Sprache.

Haben Sie auch eine andere Musikart ausprobiert? 

Harmanci: Ja, ich habe auch schon gesungen. Musik ist für jeden Menschen etwas anderes, und es kommen unterschiedliche Sachen dabei heraus. Es gibt Computerprogramme, mit denen man Instrumente simulieren kann. Das geht mithilfe eines Musical Instrument Digital Interface (Midi), denn Noten kann ich nicht lesen. Ich komponiere nach Gehör. Als ich mit der Musik angefangen habe, war es wie eine Therapie. So kann ich mich ausdrücken.

Sie distanzieren sich von Gangsta-Rappern. In einem Ihrer Videos zeigen Sie sich gleichzeitig in ähnlichen Posen wie diese. Wie erklären Sie den Widerspruch? 

Harmanci: Das ist kein Gangsta-Rap. Gangsta-Rapper sind für mich Leute, die mit einem Messer oder einem Joint in der Hand Musik machen oder andere Menschen bedrohen. Mein neues Album ist voll mit Späßen. Beispielsweise gibt es in einem Video eine Szene, in der wir mit Süßigkeiten „dealen“. Übrigens: Haci Bekir Lokumu ist der Name einer bekannten türkischen Süßigkeitenmarke.

Zur Person

Hakan Harmanci (23) alias Ses-Kes wurde 1992 in Kassel geboren, arbeitet als Zerspanungsmechaniker bei einer Autofirma, ist verheiratet und lebt mit seiner Frau in Kassel. In seiner Freizeit spielt er Fußball, macht Folkloretanz und engagiert sich vielfach in Jugendgruppen. Sein Künstlername „Ses Kes“ bedeutet stummschalten. Damit möchte er ausdrücken, dass man seiner Musik zuhören sollte, ehe man ein Urteil fällt.

Das Album

Ses-Kes: Haci Bekir Lokumu (Barish Beats), als MP3 und Audio-CD unter www.ses-kes.de, iTunes, Google Play und Amazon. 

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