Arbeitstitel: „Der Torwart“

Kasseler Regisseur verfilmt Leben von Ex-Nationaltorwart Robert Enke

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Fußball-Torwart Robert Enke (1977-2009).

Kassel. Klaus Stern hat schon viele ausgezeichnete Dokumentationen gedreht, das neueste Projekt des Kasseler Regisseurs wird jedoch vermutlich der schwierigste Film, den der zweifache Grimme-Preisträger jemals angegangen ist: Der 45-Jährige will die Geschichte des ehemaligen Fußball-Nationaltorwarts Robert Enke verfilmen.

Enke, der unter Depressionen litt, hatte sich 2009 das Leben genommen. Arbeitstitel der Doku, die im Kino und Fernsehen laufen soll: „Der Torwart“.

Der Fall Enke

Eigentlich wollte Stern den Torhüter des Bundesligisten Hannover 96 schon vor sechs Jahren porträtieren. Im Herbst 2008 nahm der Filmemacher zum ersten Mal Kontakt mit Enkes Berater Jörg Neblung auf. Der Fußballer war damals die Nummer eins im Tor der Nationalmannschaft - vor René Adler und dem späteren Welttorhüter Manuel Neuer.

Stern, Torhüter auf „niedrigstem Niveau“ beim Kasseler Club Dynamo Windrad, traf sich mit Enke und dessen Frau Teresa. Die Männer fachsimpelten über die richtigen Torwarthandschuhe. Nach 20 Minuten hatte Stern das Gefühl, dass „wir nächste Woche mit dem Dreh beginnen können“.

Ein Jahr lang wollte der Regisseur den Keeper bis zur WM 2010 in Südafrika begleiten. Daraus wurde nichts. Was Stern damals nicht wusste: Enke war schwer krank und litt an Depressionen. Am 10. November 2009 nahm sich der 32-Jährige auf einer Bahnstrecke in der Nähe von Hannover das Leben.

Die Witwe

Teresa Enke

Fünf Jahre später hat sich Stern mit Roberts Witwe Teresa getroffen. Die 38-Jährige wohnt mit ihrer Tochter (5) in Köln und ist Vorsitzende der Robert-Enke-Stiftung, die über Depression und Kinder-Herzkrankheiten aufklärt. Das erste Kind des Ehepaars Enke, die zweijährige Lara, war 2006 nach mehreren Operationen gestorben.

Immer wieder sollte das Leben von Robert Enke verfilmt werden. Star-Produzent Nico Hofmann („Dresden“, „Mogadischu“) wollte daraus sogar einen Spielfilm machen. Teresa Enke sagte ab. Sie wird ihre Geschichte nun Stern erzählen.

Der Film

Die Karriere von Enke, der auch in Portugal, Spanien und der Türkei spielte, hat viele Facetten. Die 90-minütige Doku soll darum weder „eine schlichte Biografie noch ein Film über Depression werden“, wie Stern sagt: „Es geht um Dinge, die jeden von uns berühren: Kampf, Konkurrenz, Durchsetzen und Gewinnen. Es geht um Verzweiflung, Versagen und Scheitern.“

Die Lizenzgebühren für Spielszenen aus den jeweiligen Ligen, in denen Enke aktiv war, sind nicht billig. Deshalb sucht Stern neben dem RBB weitere Geldgeber. Ein Mitarbeiter steht indes schon fest: Der Filmemacher tauscht sich mit dem renommierten Sportjournalisten Ronald Reng aus, der 2010 mit Teresa Enke die Bestseller-Biografie „Ein allzu kurzes Leben“ schrieb.

Der Regisseur

Der Kasseler Regisseur Klaus Stern

Bislang hat sich Stern in seinen Filmen vor allem mit nordhessischem Größenwahn auseinandergesetzt. Er drehte Dokus über den ehemaligen Hofgeismarer Bürgermeister Henner Sattler, der „das größte Tourismusprojekt Europas“ verwirklichen wollte („Henners Traum“), und erzählte in „Versicherungsvertreter“ vom Fall des umstrittenen Unternehmers Mehmet Göker.

Derzeit arbeitet Stern noch an einem zweiten Teil über den ehemaligen MEG-Chef, der in der Türkei weitermacht, als hätte es in Kassel nie eine Millionenpleite gegeben. Die 45 Minuten lange Doku für den WDR und SWR soll im März fertig sein und trägt den Arbeitstitel: „Mutti ist Chef“.

Von Matthias Lohr

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