Weltmusiker Hamid Baroudi trat bei der Weltausstellung in China auf - DVD geplant

Ein Kasseler rockt Schanghai

uralte Tradition und frischer Rock: Hamid Baroudi trat mit Musikern aus Nordafrika bei der Expo in Schanghai auf. Foto:  nh

Kassel. Steife Chinesen aufzulockern, kann auch eine Revolution sein. So hat es Hamid Baroudi empfunden, der gerade mit seiner Band bei der Weltausstellung Expo in Schanghai aufgetreten ist. Und die angespannt dasitzenden Zuhörer mit seinen mitreißenden Worldbeats während des Konzerts sogar zum Mitsingen gebracht hat - ohne dass die die Sprache verstanden haben. Das macht den 48-jährigen Kasseler stolz.

Wie überhaupt, dass er als Botschafter Algeriens ausgewählt worden ist, diesen Teil der Welt in China musikalisch zu repräsentieren. „Das Konzert war eine Reise durch Nordafrika“, sagt er. Erst wurde traditionelle Musik der Touareg gespielt, dann kamen Rock und HipHop dazu - Worldbeat eben, jene kreative Musikrichtung, der sich Baroudi seit Jahrzehnten als Komponist, Musiker und Produzent verpflichtet fühlt.

Zwischen seinen Reisen nach Neuseeland, Dubai, China kommt Hamid Baroudi nach Kassel, um privat aufzutanken: die Freundin sehen, durch seinen Stadtteil, den Vorderen Westen, schlendern. Manchmal kauft er sich auch ein Hessenticket und fährt den ganzen Tag im Zug umher, um sich zu Songs inspirieren zu lassen. Die Krise der Musikbranche vor einigen Jahren hat auch ihn persönlich getroffen. Das Plattenlabel, bei dem er unter Vertrag war, ist pleitegegangen - obwohl man noch einige Alben miteinander aufnehmen wollte.

Heute macht Hamid Baroudi alles selbst. Das ist zwar mühsam, gibt aber auch Freiheit. „Ich kann mit 10 000 Euro auch Plastikmusik aufnehmen“, sagt er verächtlich, „Tralalitralala und langweilige Loops, dazu zwei sexy Frauen.“ Das ist aber nicht sein Weg. Was der gebürtige Algerier macht, ist vielmehr „zeitlose Musik für den Kopf und für die Seele“. Dafür verzichtet er lieber bei einem Konzert auf seine persönliche Gage und handelt aus, dass ein Kamerateam die Band begleiten darf. So entsteht derzeit eine Konzert-DVD, „die erste Weltmusik-DVD, in fünf Sprachen: Französisch, Englisch, Deutsch, Arabisch und Spanisch“.

Zu 60 Konzertminuten soll ein ausführliches Making-of beleuchten, wie Baroudis Band überall auf der Welt mit Musikern jammt und Rhythmen wie Melodien aufstöbert. Im Februar soll sie mit einer neuen CD erscheinen - Releasepartys sind für Berlin und Kassel geplant. Dann soll eine Europatour folgen.

Von Bettina Fraschke

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