Kasseler Sängerin Astrid Weber im Interview über ihren Bayreuth-Triumph

Kassel/Bayreuth. Achtzehnmal heißt es in diesem Sommer für die Kasseler Sängerin Astrid Weber, sich für einen Einsatz bereitzuhalten. Sie steht in diesem Jahr als „Cover“ für drei Produktionen der Bayreuther Festspiele bereit, falls die Erstbesetzung ausfällt.

Als Elsa im „Lohengrin“, als Elisabeth im „Tannhäuser“ und als Eva in den „Meistersingern“. Bei der zweiten „Lohengrin“-Vorstellung war es so weit: Annette Dasch war erkrankt, und Astrid Weber erlebte als „Elsa“ eine triumphalen Erfolg. Wir sprachen mit der Sängerin.

Frau Weber, was für ein Gefühl war es, als sie erfuhren, dass Annette Dasch erkrankt ist und die Partie der Elsa nicht singen konnte?

Astrid Weber: Natürlich ist man als „Cover“ sehr aufgeregt und hofft auf seine Chance. Nach dem Anruf am Vortag, dass sich Frau Dasch nicht wohlfühlt, hatte ich eine ziemlich schlaflose Nacht. Aber dann hat man doch einiges zu tun, es gab nochmals eine Einweisung, eine kurze Verständigungsprobe mit den anderen Sängern, und auch am Kostüm war noch etwas zu ändern.

Wie haben der Dirigent Andris Nelsons und die Sängerkollegen reagiert?

Weber: Es ist für alle natürlich eine Herausforderung, eine neue Kollegin auf der Bühne zu haben. Auch wenn ich für diese Rolle vorab zwei Bühnen-Orchesterproben hatte. Aber es war einfach ein Traum, mit einem so tollen und lieben Kollegen wie Klaus Florian Vogt auf der Bühne zu stehen. Auch das ganze Ensemble und Andris Nelsons waren toll bemüht - das war eine ganz große Freude.

Kann man denn diese Situation genießen, während man auf der Bühne steht, oder geht das erst danach?

Weber: Natürlich ist man während der Vorstellung hoch konzentriert. Aber es gibt schon so besondere Momente, die man auf der Bühne genießt. Wenn zum Beispiel der Brautchor singt, und man kommt mit Klaus Florian Vogt als Lohengrin Hand in Hand auf Bühne, das ist einfach wunderschön. Es ist ja von jeher das Ziel als Sängerin, sobald man merkt, dass man die großen Wagner-Partien singen kann, einmal an diesem Ort im Bayreuther Festspielhaus aufzutreten. Ich habe das nun geschafft, mehr Glück geht nicht.

Was haben Sie empfunden, als Sie nach der Vorstellung vom Publikum heftig gefeiert wurden?

Weber: Der Beifall und die Bravos, als ich vor den Vorhang kam, wirkten wie ein Orkan. Das war ein Riesengefühl, das man gar nicht beschreiben kann.

Haben Sie nach Ihrem großen Erfolg schon Signale erhalten, dass man Sie für eine feste Partie bei den Bayreuther Festspielen engagieren will?

Weber: Nein, solche Signale habe ich nicht bekommen. Direkt nach der Vorstellung haben mir aber die beiden Wagner-Schwestern sehr gratuliert. Ich lasse mich nun einfach überraschen und freue mich über alles, was kommt. Im Übrigen sind die Festspiele ja noch nicht zu Ende. Es kommen noch zwölf Vorstellungen, bei denen ich möglicherweise gefragt bin.

Welche Wagner-Partien werden Sie als Nächstes singen?

Weber: Am 9. Oktober singe ich in Essen die Senta im „Fliegenden Holländer“.

Und wird man Sie auch in Kassel wieder auf der Opernbühne erleben können?

Weber: In der nächsten Spielzeit nicht. Aber wenn man mich danach ruft, bin ich natürlich immer bereit.

Von Werner Fritsch

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