Kasselerin Anna-Maria Hirsch in „Hai-Alarm am Müggelsee“

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Schräge Typen: Snake Müller (Uwe Dag Berlin, vorn links) wird von Vera Baum (hinten links), der ganzen Arbeitsgruppe und vom Bürgermeister (Henry Hübchen, Mitte) aufgesucht.

Kassel. Dass Anna-Maria Hirsch einmal bei sommerlichen Temperaturen in einen Badesee springen darf und dafür auch noch Geld bekommt, hätte die 26-jährige Schauspielerin noch vor einem guten Jahr nicht gedacht.

Das Ensemblemitglied am Kasseler Staatstheater spielt eine Hauptrolle im Film „Hai-Alarm am Müggelsee“, den Leander Haußmann („Sonnenallee“) schon jetzt als eine der lustigsten Komödien der letzten Jahre ausruft.

Der Regiestar hat sich mit Autor und Musiker Sven Regener („Herr Lehmann“) zusammengetan und den Film als preiswert produziertes Guerilla-Projekt mit Mut zum Trash konzipiert. Schauspielschwergewichte wie Henry Hübchen und Michael Gwisdek verzichteten auf ihre Gage und stiegen als Produzenten ein. Das senkte ebenfalls Kosten.

Anna-Maria Hirsch spielt in dem am Donnerstag anlaufenden Streifen Vera Baum, die Marketingbeauftragte für jenes Friedrichshagen, das ein Hai-Problem in dem touristisch beliebten berlinnahen Gewässer erst vertuschen und dann vermarkten will. Sie hatte die meisten Drehtage - erfreulich für sie, weil Darsteller nach deren Anzahl bezahlt werden.

Anna-Maria Hirsch Foto: Klinger

Haußmann und Regener kennen Hirsch von einem gemeinsamen Theaterprojekt an der Berliner Schauspielschule Ernst Busch. So brauchte sie keinerlei Casting zu durchlaufen. Eines Tages kam der Anruf mit dem Jobangebot, das Drehbuch lag in der Post - und nach Rücksprache mit dem Kasseler Theater lief die Sache. Hirsch ist in Kassel unter anderem in „Der nackte Wahnsinn“, „Norway today“ und in „Dantons Tod“ zu sehen. Am Staatstheater hat sie ihr erstes Engagement.

Die 26-jährige Bayerin aus Ebersberg erinnert sich gern an die Dreharbeiten - acht Wochen in einer Pension direkt am Wasser wohnen, beim Dreh eine „Atmosphäre wie in einer großen Familie“. Man traf sich morgens in der Maske, bei Hirsch dauerte das Zurechtmachen eine Stunde - Schminke, Extensions in die Haare. „Das hat sich aber gelohnt, die angeklebten Haare und das Make-up hielten sogar nach einem Sprung ins Wasser“, sagt die Blondine.

Am anstrengendsten war ein Kostümtermin vor Drehbeginn. Dazu schlüpfte Hirsch drei Stunden in Dutzende Kleidungsstücke. Es wurden Fotos gemacht, und das Regieteam entschied zusammen mit den Kostümleuten über das endgültige Outfit dieser Vera Baum. Die lässt es sexy angehen: Hot Pants, Hawaiibluse, Lederkleid: „Das ist Teil ihrer Marketingstrategie“, erklärt Hirsch, „die Frau hat ein enormes Machtpotenzial.“

In einem blieb Hirsch den Theatergewohnheiten treu: Sie konnte ihren Text vorher auswendig. Das filmtypische, gestückelte Szenendrehen, bei dem man auf den Punkt in einer bestimmten Gefühlsstimmung sein muss, bereitete ihr keine Probleme: Ensembleszenen wurden vorher im Ganzen geprobt. „Und ich wusste immer, wie nah die Kamera mich zeigt - davon hängt es ab, wie fein man spielen muss.“

Wenn der Film ins Absurd-Abgründige driftet und Vera Baum am Ende eine große Wahnsinnsszene hat, fühlte sich Anna-Maria Hirsch beim Dreh sogar an eine der großen Irren des Theaters erinnert: Lady Macbeth.

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