Das Kasseler Staatstheater fährt zum Theatertreffen

Schräge Familie: Philipp Reinhardt (Die Tochter, von links), Kate Strong (Die Mutter), Jonas Grundner-Culemann (Der Sohn), Eva-Maria Keller (Die Tante) und Enrique Keil (Der Vater). Foto: Klinger

Ersan Mondtags Horrorstück „Tyrannis" gehört zu den zehn bemerkenswertesten Inszenierungen des Jahres, so eine Kritikerjury.

Berlin/Kassel. Zehn aus 394: Die bemerkenswertesten Inszenierungen des Jahres werden zum wichtigsten deutschsprachigen Theaterfestival eingeladen, 394 waren in der Auswahl für das Theatertreffen, jeder Juror hat zwischen 78 und 131 Inszenierungen gesehen. Dieses Mal ist Kassel in der Spitzenklasse der Bühnen dabei. Das von dem jungen Regisseur Ersan Mondtag entwickelte Projekt „Tyrannis“ wird im Mai in Berlin neben Stücken aus Wien, Berlin und anderen Theatermetropolen, neben Regiegrößen wie Karin Beier, Herbert Fritsch oder Stefan Pucher präsentiert.

„Pures Theaterglück“, sagt Intendant Thomas Bockelmann. In seinen 27 Jahren als Intendant habe er noch keine Einladung geschafft. Das Kasseler Haus war zuletzt 1969 mit einer „Antigone“-Inszenierung von Kai Braak beim Theatertreffen dabei.

Die siebenköpfige Kritikerjury hatte 38 Produktionen in die engere Wahl genommen. „Meist sind das Stücke aus größeren Häusern“, so Bockelmann, „mit der Einladung rücken wir in den Fokus der Theaterwelt“.

„Tyrannis“ ist ein Theaterabend, an dem nicht gesprochen wird. Er kommt in Kassel gut an, die Aufführungen sind gut gefüllt. Mit viel Videoeinsatz wird eine Familie gezeigt, die sich vor allem Fremden abschottet. Die Darsteller spielen mit geschlossenen Augen - die latent gewalttätige Szenerie erinnert an einen Horrorfilm. „Die Jury sucht nach etwas ganz Besonderem, das ist wie bei Feinschmeckern, die schon oft gut gegessen haben, und sich weniger von einem weiteren Rehfilet umhauen lassen“, so Bockelmann. Für ihn ist die Einladung eines selbst entwickelten Stücks ermutigend, nächste Spielzeit ist in Kassel wieder eins geplant.

Wieder am 12., 13.2., Karten: 0561-1094-222.

Die eingeladenen Stücke:

der die mann, Regie Herbert Fritsch, Volksbühne Berlin

Effi Briest, Regie Clemens Sienknecht und Barbara Bürk, Schauspielhaus, Hamburg

Ein Volksfeind, Regie Stefan Pucher, Schauspielhaus Zürich

John Gabriel Borkman, Regie Simon Stone, Burgtheater Wien

Mittelreich, Regie Anna-Sophie Mahler, Münchner Kammerspiele

Schiff der Träume, Regie Karin Beier, Schauspielhaus, Hamburg

Stolpersteine, Regie Hans-Werner Kroesinger, Staatstheater Karlsruhe

The Situation, Regie: Yael Ronen, Maxim Gorki Berlin

Tyrannis, Regie Ersan Mondtag, Staatstheater Kassel

Väter und Söhne, Regie Daniela Löffner, Deutsches Theater, Berlin

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