Elementare Fragen des Zusammenlebens werden behandelt

Kasseler Staatstheater stellt Spielplan 2016/17 vor

Das Leitungsteam des Staatstheaters Kassel: (von links) Oberspielleiter Markus Dietz, Chefdramaturg Michael Volk, Generalmusikdirektor Patrik Ringborg, Leitender Regisseur Kinder- und Jugendtheater Philipp Rosendahl, Operndirektorin Dr. Ursula Benzing, Künstlerische Betriebsdirektorin Sabine Wendenburg, Intendant Thomas Bockelmann, Tanzdirektor Johannes Wieland und der Leiter des Kinder- und Jugendtheaters, Thomas Hof. Foto: Schachtschneider

Kassel. Das Motto der documenta 14, „Von Athen lernen“, könnte auch über manchem Stück stehen, das in der kommenden Spielzeit am Kasseler Staatstheater zu sehen sein wird.

Allerdings geht es dabei überwiegend um das alte Griechenland, jenes der „Orestie“ von Aischylos, die von der Überwindung der Blutrache handelt und damit auch von den Grundlagen unseres Zusammenlebens.

Ein Thema, das sich (auch ohne Griechenland-Bezug) in allen Sparten des Staatstheater-Spielplans 2016/17 wiederfindet. Darin gibt es vieles zu entdecken, Uraufführungen und Stücke, die erstmals in Kassel zu erleben sind, ebenso wie neue Namen von Regisseuren. Aber auch Klassiker des Opern- und Schauspielrepertoires.

KLASSIKER

Ein Klassiker ist Mozarts „Le nozze di Figaro“ (Regie: Tobias Theorell, Dirigent: Patrik Ringborg), der am 24.9. die Opernsaison eröffnet. Auch „Luisa Miller“ von Verdi (R: Dominique Mentha, D: Anja Bihlmaier) und „Elektra“ von Strauss (R: Markus Dietz, D: Patrik Ringborg) sind Repertoire-Schwergewichte im Musiktheater.

Neben der „Orestie“ (17.2.2017), die von der Konstanzer Oberspielleiterin Johanna Wehner inszeniert wird, gehören im Schauspiel Schillers „Die Räuber“ – in ungewöhnlich zweigeteilter Regie von Markus Dietz und Philipp Rosendahl – sowie Gerhart Hauptmanns „Die Ratten“ (20.5.2017, R: Maik Priebe) zu den Klassikern. Auch das Weihnachtsmärchen, Astrid Lindgrens „Ronja Räubertochter“ (16.11., R: Philipp Rosendahl), verdient diesen Titel.

NOCH NIE GESEHEN

So vielen Stücken wie selten zuvor begegnet man in der kommenden Spielzeit zum ersten Mal. Im Musiktheater sind dies die spanische Barockoper „Los Elementos“ von Antonio Literes (28.10., R: Zenta Haerter, D: Jörg Halubek), die im Rahmen der Kasseler Musiktage gezeigt wird, ferner das Musical „Ragtime“ von Terrence McNally und Stephen Flaherty (28.1.2017, R: Philipp Kochheim, D: Alexander Hannemann), die Kinderoper „Schneewittchen“ von Wolfgang Mitterer (5.3.2017), Tommaso Traettas spätbarocke Oper „Antigona“ (3.6.2017, R: Stephan Müller, D: Jörg Halubek) und wohl auch Charles Gounods „Roméo et Juliette“ (8.4.2017, R: Jim Lucassen, D: Anja Bihlmaier).

Das Schauspiel bringt eine weitere Uraufführung von Rebekka Kricheldorf, „Das blaue Licht“ (10.2.2017, R: Schirin Khodadadian), sowie als Erstaufführungen drei Stücke junger Dramatikerinnen: „Die Netzwelt“, eine Vision über zukünftige virtuelle Welten von Jennifer Haley (31.3.2017, R: Markus Dietz), „Lost and Found“ über den Umgang mit Flüchtlingen von Yael Ronen (1.4.2017, R: Martin Schulze) und das mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Stück „The Flick“ von Annie Baker (19.5. 2017, R: Sebastian Schug). Auch der Dramatiker Ewald Palmetshofer ist mit dem Generationen-Stück „Die Unverheiratete“ (26.11., R: Laura Linnenbaum) erstmals in Kassel zu erleben.

Lauter Uraufführungen sind die Stücke des Tanztheaters, das am 30.10. mit dem Doppelabend „Emoji“ von Annamari Keskinen und Evangelos Poulinas startet. „Marianengraben“ ist der Arbeitstitel von Johannes Wielands Stück über die Angst (14.1.2017). Der Tanzdirektor entwickelt zusammen mit Linda Kapetanea und Jozef Frucˇek auch den „Tanzabend 2“ mit dem Staatsorchester im Opernhaus (29.4.2017).

NEUE NAMEN, NEUE WEGE

Mit dem Abschied des langjährigen Leiters Dieter Klinge übernehmen Thomas Hof (Leitung) und Philipp Rosendahl (Leitender Regisseur) das Kinder- und Jugendtheater. Sie haben die Regisseurin Joanna Praml für ein Stück „Wer wir sind“ über Identität heute engagiert (21.4.2017). Dafür werden im Oktober Kasseler Jugendliche gecastet. Mit der unrühmlichen deutschen Kolonialgeschichte setzt sich das Stück „Maji Maji Flava“ auseinander (30.9.). Eine Kooperation mit dem Flinntheater, die auch in Tansania gezeigt werden wird.

Abschiede

Zum Ende der Spielzeit verlassen folgende Künstler das Kasseler Staatstheater:

Musiktheater: Hulkar Sabirova (Sopran), Marian Pop (Bariton).

Schauspiel: Dieter Bach (Stelle war vakant), Christoph Förster, Jonas Grundner-Culemann, Alina Rank, Philipp Reinhardt, Franz Josef Strohmeier.

Tanztheater: Akos Dózsa

Kinder- und Jugendtheater: Dieter Klinge (Leiter).

Neu engagierte Künstler werden zu Beginn der Spielzeit 2016/17 vorgestellt. 

Die Premieren in der Spielzeit 2016/17

Musiktheater

• „Le nozze di Figaro“, Opera buffa in vier Akten von Wolfgang Amadeus Mozart. Musikalische Leitung: Patrik Ringborg, Inszenierung: Tobias Theorell. Premiere: 24. September 2016, Opernhaus

• „Los Elementos“, Oper im italienischen Stil von Antonio Literes. Musikalische Leitung: Jörg Halubek, Inszenierung und Ausstattung: Zenta Haerter. Premiere: 28. Oktober 2016, Alte Brüderkirche (Koproduktion mit den Kasseler Musiktagen)

• „Die Großherzogin von Gerolstein“, Opéra bouffe in drei Akten von Jacques Offenbach. Musikalische Leitung: Alexander Hannemann, Inszenierung: Adriana Altaras. Premiere: 29. Oktober 2016, Opernhaus

• „Luisa Miller“, Melodramma tragico in drei Akten von Giuseppe Verdi. Musikalische Leitung: Anja Bihlmaier, Inszenierung: Dominique Mentha. Premiere: 17. Dezember 2016, Opernhaus

• „Ragtime“, Musical. Buch: Terrence McNally, Musik: Stephen Flaherty. Musikalische Leitung: Alexander Hannemann, Inszenierung: Philipp Kochheim. Premiere 28. Januar 2017, Opernhaus (Koproduktion mit dem Staatstheater Braunschweig)

• „Elektra“, Tragödie in einem Aufzug von Richard Strauss. Musikalische Leitung: Patrik Ringborg, Inszenierung: Markus Dietz. Premiere: 18. Februar 2017, Opernhaus.

• „Schneewittchen“, Kinderoper für 4 Singstimmen und 7 Zwerge von Wolfgang Mitterer nach Engelbert Humperdinck (Deutsche Erstaufführung). Musikalische Leitung: Giulia Glennon/Heiko Pape, Inszenierung: Jewgenij Sitochin. Premiere: 5. März 2017, tif (Koproduktion mit der Wiener Taschenoper)

• „Roméo et Juliette“, Opéra in einem Prolog und fünf Akten von Charles Gounod. Musikalische Leitung: Anja Bihlmaier, Inszenierung: Jim Lucassen. Premiere: 8. April 2017, Opernhaus

• „Antigona“. Tragedia per musica in drei Akten von Tommaso Traetta. Musikalische Leitung: Jörg Halubek. Inszenierung: Stephan Müller. Premiere: 3. Juni 2017, Opernhaus

13. Theater-Jugendorchester-Projekt: „Brundibár“, Kinderoper in zwei Akten von Hans Krása. Musikalische Leitung: Xin Tan, Inszenierung: Franziska Schumacher. Premiere 17. Juni 2017, Schauspielhaus

Geplante Wiederaufnahmen:

• „Turandot“ von Giacomo Puccini (mit Berio-Schluss) ab 2. Oktober 2016, Opernhaus

• „Die Entführung aus dem Serail“ von Wolfgang Amadeus Mozart ab 7. Oktober 2016, Opernhaus

• „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck ab 19. November 2016, Opernhaus.

• „Der Barbier von Sevilla“ von Gioachino Rossini ab 25. Februar 2017, Opernhaus

 

Schauspiel

• „Götterspeise“ von Noah Haidle. Inszenierung: Thomas Bockelmann. Premiere: 23. September 2016, Schauspielhaus

• „Maji Maji Flava“. Eine Kooperation mit dem Flinntheater. Inszenierung: Sophia Stepf. Uraufführung: 30. September 2016, tif

• „Die Räuber“ von Friedrich Schiller. Inszenierung: Markus Dietz / Philipp Rosendahl. Premiere: 1. Oktober 2016, Schauspielhaus.

• „Die Unverheiratete“ von Ewald Palmetshofer. Inszenierung: Laura Linnenbaum. Premiere: 26. November 2016, tif

• „Frühstück bei Tiffany“ von Truman Capote. Inszenierung: Anna Bergmann. Premiere: 16. Dezember 2016, Schauspielhaus

• „Das blaue Licht“ von Rebekka Kricheldorf (Uraufführung). Inszenierung: Schirin Khodadadian. Premiere: 10. Februar 2017, tif

• „Orestie“ von Aischylos. Inszenierung: Johanna Wehner, Premiere: 17. Februar 2017, Schauspielhaus

• „Die Netzwelt“ von Jennifer Haley. Inszenierung: Markus Dietz, Premiere 31. März 2017, tif

• „Lost and Found“ von Yael Ronen. Inszenierung: Martin Schulze. Premiere: 1. April 2017, Schauspielhaus

• „The Flick“ von Annie Baker (Deutschsprachige Erstaufführung). Inszenierung: Sebastian Schug. Premiere: 19. Mai 2017, tif

• „Die Ratten“ von Gerhart Hauptmann. Inszenierung: Maik Priebe. Premiere: 20. Mai 2017, Schauspielhaus

Geplante Wiederaufnahmen:

Schauspielhaus:

• „Ein Volksfeind“ von Henrik Ibsen.

• „Terror“ von Ferdinand von Schirach

• „Antigone“ von Sophokles

• „Endstation Sehnsucht“ von Tennessee Williams

• „Kabale und Liebe“ von Friedrich Schiller

• „Immer noch Sturm“ von Peter Handke

• „Floh im Ohr“ von Georges Feydeau

tif:

• „Chapters“ von Bettina Erasmy, Inszenierung: Schirin Khodadadian

• „Gaunerstück“ von Dea Loher

• „Tyrannis“. Stückentwicklung von Ersan Mondtag

• „Mutters Courage“ von George Tabori

• „Die Schutzbefohlenen“ von Elfriede Jelinek

 

Tanztheater

• „Emoji“. Zwei Stücke von Annamari Keskinen und Evangelos Poulinas. Uraufführung: 30. Oktober 2016, tif

• „Marianengraben“ (Arbeitstitel). Tanztheater von Johannes Wieland. Uraufführung: 14. Januar 2017, Schauspielhaus

• Tanzabend 2: Zwei Stücke von Linda Kapetanea & Jozef Fruek und Johannes Wieland. Mit dem Staatsorchester Kassel, musikalische Leitung: Alexander Hannemann. Uraufführung: 29. April 2017, Opernhaus

• Choreografische Werkstatt: Tänzer und Tänzerinnen des Staatstheaters stellen ihre Choreografien vor. Uraufführung: 30. Juni 2017, tif

 

Kinder- und Jugendtheater

• „Saffran & Krump“ von Pamela Dürr, ab 6 Jahren. Inszenierung: Janis Knorr. Premiere: 25. September 2016, tif

• Weihnachtsmärchen: „Ronja Räubertochter“ von Astrid Lindgren, ab 5 Jahren. Inszenierung: Philipp Rosendahl. Premiere: 16. November 2016, Opernhaus

• „Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute“ von Jens Raschke, ab 11 Jahren. Inszenierung: Philipp Rosendahl. Premiere: 26. März 2017, tif

• „Wer wir sind“. Eine Stückentwicklung von Joanna Praml, ab 13 Jahren. Premiere: 21. April 2017, tif

• „Klamms Krieg“ von Kai Hensel. KJT mobil – Klassenzimmerstück ab 14 Jahren. Inszenierung: Thomas Hof

Geplante Wiederaufnahmen:

• „Die Geschichte vom Onkelchen“ von Thomas von Brömssen und Lars-Eric Brossner, ab 3 Jahren.

• „Deportation Cast“ von Björn Bicker, ab 15 Jahren

• „Huck Finn“ von Max Eipp nach Mark Twain, ab 10 Jahren

• „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf, Fassung von Robert Koall, ab 14 Jahren

• „Anne Frank“ nach „Anne Frank: Tagebuch“ von Dieter Klinge, ab 13 Jahren

• „Erste Stunde“ von Jörg Menke-Peitzmeyer. KJT mobil – Klassenzimmerstück ab 12 Jahren. Inszenierung: Thomas Hof

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