Der Zauber der Freundschaft

Das Kasseler Staatstheater zeigt als Weihnachtsmärchen „Cinderella“

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Moment der Freude: Cinderella (Sandra Selimovic) und Prinz Sebastian (Marian Schäfer) tanzen im Garten. 

Ein poetisches, bezauberndes Theatererlebnis mit schöner Ausstattung und viel Gefühl. 

„Das Mädchen war tief von Trauer ergriffen, sie meinte, ihre Tränen würden niemals enden und noch die Welt überfluten.“ Cinderellas gute Fee spricht aus, wie traurig das Leben manchmal ist. Besonders, wenn die Mutter gestorben ist, und Cinderella einfach nicht weiß, wie der Alltag weitergehen soll. Ernst beginnt das Weihnachtsmärchen „Cinderella“ von Charles Way im Kasseler Staatstheater, das gestern Vormittag im Opernhaus Premiere feierte.

Die Kinder im voll besetzten Saal ließen sich mit großer Konzentration auf die Geschichte des Mädchens ein, dessen Traurigkeit gerade nicht gemildert wird, als der Vater eine neue Frau und zwei Stiefschwestern ins Haus bringt. Lieber verbringt sie ihre Zeit mit dem netten Jungen, der sich aus dem Schloss über die Mauer zu ihr schleicht. Dass das der Prinz ist, weiß sie nicht. Sie sind einfach gute Freunde, albern herum, spielen.

Regisseurin Martina van Boxen erschafft ein wunderschönes Kleinod von Theaterinszenierung. Die 75 spannungsvollen Minuten brauchen keine Knalleffekte, sondern sind getragen von den Sorgen und den Freuden der Figuren, die für das junge Publikum gut nacherlebbar sind. Michael Habelitz hat für den Bühnenhintergrund einen filigranen Scherenschnitt gestaltet, für die opulenten Kostüme im barocken Look hat Esther van de Pas leuchtende afrikanische Stoffe verwendet. Eine Augenweide. Unter Leitung von Thorsten Drücker spielt ein Trio auf der Bühne zarte Musik.

Herzerfrischend und liebevoll verkörpern Sandra Selimovic und Marian Schäfer das Erst-Freundes-dann-Liebespaar. Sowohl Cinderella als auch Prinz Sebastian haben die Aufgabe, ihren Weg im Leben zu finden, was auch heißt, sich mal gegen die Autoritätspersonen stellen zu müssen und die auch mal zu enttäuschen. Uwe Steinbruch spielt beide Väter – Cinderellas, der mit dem Zickenkrieg zuhause ordentlich überfordert ist, und den König mit der Schlafmütze und dem Loch im Strumpf, der Angst davor hat, dass sich das Volk gegen ihn stellt, und der aus dem staubigen Bett einfach nicht mehr aufsteht.

Meret Engelhardt, Amelie Kriss-Heinrich und Johanna Serenity Miller sind Cinderellas Stieffamilie. Sie stolzieren kratzbürstig und überkandidelt in leuchtmarker-farbenen Perücken über die Szenerie, lassen aber manchmal auch die herrische Fassade fallen.

Lukas Umlauft ist der Hofkomponist Wolfgang (dem zwischendurch eine kleine Nachtmusik einfällt), und Miriam Kohler die gute Fee, die sich in eine Taube verwandeln kann, deren weiße Brille mit einigen Federn geschmückt ist.

Viele Termine, Karten: 0561-1094-222, Klassen: -333.

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