Ausstellung "Interventionen": Kasseler RP zeigt, was von Kunst übrig bleibt

Kunst auf Postkarten: Mehtap Baydu stellte 2008 Schuhe von Mitarbeitern des Regierungspräsidiums aus (links).

Zum 14. Mal zeigt die Ausstellung "Interventionen" Werke aus der Kasseler Kunsthochschule im Regierungspräsidium. Nach einigem Ärger im Vorjahr ist diesmal jedoch alles anders.

Vor einem Jahr hatte die Ausstellung „Interventionen“ im Kasseler Regierungspräsidium (RP) ihren Höhepunkt und zugleich ihren Tiefpunkt erreicht. Bei der 2002 entstandenen Schau geht es für Regierungspräsident Walter Lübcke nicht darum, seine Behörde „aufzuhübschen“, wie er sagte, sondern „um die Auseinandersetzung zwischen Künstlern und Mitarbeitern“.

2015 setzten sich seine Beamten vor allem mit einem sogenannten Exekutor auseinander, der Haarproben sammelte und Mitarbeiterprofile erstellte. Manche Mitarbeiter fühlten sich eingeschüchtert. So etwas schafft Kunst nur selten.

Die damals für Aufsehen sorgende Aktion der Künstlerin Isabel Paehr ist nun auch in der neuen Ausstellung zu sehen, die „Interventur“ heißt und eigentlich gar keine richtige Ausstellung ist, weil sie nur Fotos von Kunst zeigt.

Tanja Jürgensen ließ ein Stück Rasen in der Abteilung verlegen, die für Ausgleichsflächen bei Verkehrsprojekten verantwortlich ist.

Im vorigen April gab es nicht nur hitzige Debatten, sondern auch kaum Interesse an Kunst. Jahr für Jahr hatten sich zehn bis zwölf RP-Mitarbeiter den Ausstellungsrundgang der Kunsthochschule angeschaut und dann ihre Lieblingskünstler an den Steinweg eingeladen. 2015 waren es jedoch nicht einmal mehr eine Handvoll Mitarbeiter.

Darum haben RP und Hochschule bei der 14. Auflage alles anders gemacht. Sie befragten Mitarbeiter, welche Kunstwerke ihnen in Erinnerung geblieben sind. Im Zeitalter von Facebook und Twitter, wo oft nur der Moment und der nächste Moment zählen, ist das für Kunsthochschulrektor Joel Baumann eine interessante Frage: „Was bleibt eigentlich von Kunst?“

Herausgekommen ist eine „Bestandsaufnahme, um das Format neu zu beleuchten“, sagt RP-Sprecher Michael Conrad. 100 der 1200 Mitarbeiter beteiligten sich. 30 Arbeiten hat Kuratorin Melanie Vogel mit ihrem Team nun zusammengestellt. Dort wo die Kunstwerke früher tatsächlich standen, hängen heute jedoch nur Fotos von ihnen.

Breit gefächerte Kunst: Kuratorin Melanie Vogel.

So kann man etwa sehen, wo die mittlerweile in Bremen lebende Fotografin Tanja Jürgensen 2004 ein Stück Rasen verlegen ließ - und zwar in der Abteilung, die für Ausgleichsflächen bei Verkehrsprojekten verantwortlich ist.

„Es ist eine Pseudoausstellung“, sagt Vogel, die Hunderte Postkarten mit den ausgewählten Werken drucken ließ. Auf Fragebögen können die Besucher erklären, warum sie die Künstler wieder einladen würden. Die Antworten sollen 2017 im Katalog abgebildet werden. Also auch nach der Inventur wird „Interventionen“ Beamten und Künstler zusammenbringen.

Ausstellung „Interventur“

Die Künstler: Christine Seefried, Maryna Miliushchanka, Mehtap Baydu, Marina Rüdiger, Franz Markus Kämmerer, Isabel Paehr, Günther Stangelmayer, Thomas Grob, Darius am Wasser, Valentin Piel, Nicole Jana, Carola Keitel, Frederick Vidal, Damian Crowe, Nils Örtel, Kerstin Frisch, Oliver Jacobi, Tanja Jürgensen, Sarah Kurz, Anna-Katharina Henning, Marta Malinauskas, Laura Weser, Katrin Pesch, Markus Stein, Flaut Michael Rauch, Alexander Reich, Helmut Uhlig, Johannes Kalden, Michael Schmidt und Tomoko Goto.

Ort: Regierungspräsidium Kassel, Steinweg 6.

Geöffnet: Bis zum 24. Mai, montags bis freitags von 8 bis 17 Uhr. Öffentliche Führungen: am 3. Mai (10 Uhr) und 17. Mai (16 Uhr).

Kontakt: 0561/106-1010.

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