Kastelruther Spatzen traten in Stadthalle auf

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Auf der Bühne alles live: Spatzen-Sänger Norbert Rier in der Kasseler Stadthalle.

Kassel. Schunkel-Schummel im Studio, Gerüchte über Rotlicht-Affären, Sexskandale und Eheprobleme - wer ständig von der „Weißen Rose“ singt und damit Millionen verdient, darf sich über die Suche nach den Dornen am Stiel nicht beschweren.

Mit dieser Erkenntnis mussten sich die Kastelruther Spatzen in letzter Zeit häufiger herumärgern und ihre diesjährige Jubiläums-Tournee hat etwas von einer Solidaritätsveranstaltung. In der fast ausverkauften Kasseler Stadthalle wurde die Ankündigung von Sänger Norbert Rier, dass auf der Bühne alles live und ohne doppelten Boden präsentiert werde, mit großem Applaus kommentiert.

Bei Ticketpreisen bis 60 Euro sollte man das allerdings auch verlangen dürfen. Die Tatsache, dass sich die Spatzen bei ihren CD-Produktionen im Studio der Hilfe professioneller Musiker bedient haben, ist eigentlich keine Schlagzeile wert. Wenn es jemals eine Grenze zwischen Seriosität und kommerziellem Erfolg gegeben hat, dann ist diese schon seit Jahren Makulatur.

So wirkten die Volksmusik-Giganten in Südtiroler Landhaustracht auch völlig entspannt und zeigten nur bei ihren seltenen solistischen Passagen besonderes Engagement. Die Rezeptur ihres Triumphs ist einfach und transparent. Man dankt mehrmals am Abend seinen treuen Fans, streut mit Songs wie „Sandy will nicht heim“ und „Die Hände sprechen Bände“ etwas Betroffenheitslyrik in den Saal und wechselt dann mit einer schmissigen Polka zur Heimatliebe.

Der Begriff für Romantik und Liebe ist fast immer die Rose, und beim Dreivierteltakt wird beim Sitznachbarn eingehakt. Jetzt noch den Alexander Rier, der Sohn des Spatzen-Sängers Norbert Rier, mit auf die Bühne, und die Generationsfrage scheint gelöst. Mit einem Schlager-Medley sorgte Alexander für Partystimmung und, fest umarmt mit seinem Vater, für familiäre Glücksgefühle.

Es ist der komprimierte Appell an die Sehnsucht nach einer gesunden Welt. Die Verkündung eines konservativen Wertesystems, das zwischen iPad und Dschungelcamp versucht, die Flagge am Mast zu halten. Die Schlichtheit der Bilder auf den Videoleinwänden verstärkte den Eindruck der Simplizität der Zufriedenheit.

Gegen Ende des Konzertes zogen die Spatzen das Tempo an, und im Saal wurde ihnen stehend gehuldigt. Nach einem längeren Zugabenblock und viel Applaus begaben sich die zufriedenen Gäste zu ihren Autos, mit denen sie auch aus Hannover, Dortmund und Fulda angereist waren.

Von Andreas Köthe

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