Jubiläumstournee: Kastelruther Spatzen wollen Mut geben

Die Kastelruther Spatzen sind die populärste volkstümliche Band. Vor Kurzem gerieten die Spatzen in Turbulenzen, als ihr langjähriger Produzent Walter Widemair offenbarte, dass auf den CDs nicht die Bandmitglieder, sondern Studiomusiker spielen.

Nur der Gesang von Spatzenchef Norbert Rier sei echt. Rier bestätigte den Einsatz der Studiomusiker. Im kommenden Jahr ist es 30 Jahre her, seit die Band ihr erstes Album herausbrachte - Anlass für eine Jubiläumstournee. Wir sprachen mit Norbert Rier über das Selbstverständnis der Spatzen.

Herr Rier, welche Konsequenzen ziehen Sie aus der Affäre um die Studiomusiker? Werden die Bandmitglieder bei den Aufnahmen künftig selbst spielen?

Norbert Rier: Da wird sich sicherlich nicht viel ändern. Es ist ja allgemein üblich, dass Aufnahmen mit Studiomusikern gemacht werden. Es gibt eben Leute, die genau dafür da sind und davon leben. Die Namen haben wir aber immer angegeben. Und das Singen habe ich immer selber gemacht. Für uns ist wichtig, dass bei den Konzerten alles live gespielt wird. Das ist für uns die Stunde der Wahrheit.

Warum spielen die Bandmitglieder denn nicht im Studio?

Rier: Es ist nicht so, dass die Kollegen das nicht geschafft hätten. Es hätte aber alles viel länger gedauert. Die Studiomusiker haben eben bei Aufnahmen mehr Routine. Es ist eine große Umstellung, live oder im Studio zu spielen. Wir könnten auch manche Studiomusiker nicht für Live-Auftritte gebrauchen, weil die gewohnt sind, alles zu wiederholen, was beim ersten Mal nicht klappt. Wir wollen uns jedenfalls nicht drausbringen lassen und werden weiter schöne Lieder aufnehmen.

Im Januar starten Sie Ihre Tournee, die Sie auch nach Kassel führt. Was werden Sie da spielen? Lieder vom neuen Album „Leben und leben lassen“?

Rier: Davon werden wir auch etwas dabei haben, aber bei der Jubiläumstournee greifen wir natürlich auch auf ältere Produktionen zurück. Wir wollen, dass bei unseren vielen treuen Fans auch Erinnerungen wach werden. Wir haben mal überlegt, von jedem Album die Titelmelodie zu spielen. Das wäre aber zu viel für ein Konzert, also schauen wir mal, wie am Ende alles zusammenpasst.

Wie hat sich der Stil der Kastelruther Spatzen in den letzten 30 Jahren entwickelt? Sind Sie schlagermäßiger geworden?

Rier: Zum Teil vielleicht etwas schlagermäßiger. Aber wir versuchen, unserer Linie treu zu bleiben. Wir legen Wert auf die Texte, auf schöne Melodien, die leicht ins Ohr gehen. Für uns ist wichtig, nicht zu komplizierte Lieder zu machen, so dass sie von den Fans gleich verstanden werden. Die Leute sollen nach den Konzerten glücklich nach Hause gehen.

Oft scheint es, dass die Kastelruther Spatzen vielen Fans nicht nur Genuss vermitteln, sondern auch Trost spenden. Wie sind da Ihre Erfahrungen?

Rier: Uns sagen viele Leute, dass sie durch unsere Lieder wieder Sinn im Leben gefunden und Kraft getankt haben. Viele kommen auch mit ihren Problemen und Sorgen auf einen zu, und da darf man sich nicht zu sehr reinziehen lassen. Trotzdem ist es schön, Leuten immer wieder auch Mut zu geben.

Tourneekonzert: Freitag, 8. März 2013, 19.30 Uhr, Stadthalle Kassel. HNA-Kartenservice, Tel. 0561 / 203 204.

Zur Person

Norbert Rier (52) stammt aus Kastelruth in Südtirol. Er ist seit 1983 Sänger und Chef der Kastelruther Spatzen, der erfolgreichsten volkstümlichen Band im deutschsprachigen Raum. Ebenfalls 1983 heiratete Rier seine Frau Isabella, mit der er vier Kinder hat. Auch mit seinen Kindern zusammen hat Rier Lieder aufgenommen. Von Beruf ist er Landwirt und betreibt eine erfolgreiche Haflinger-Zucht. 2006 erschien seine Autobiografie „Danke Fans!“ (Blv-Verlag). Im Januar 2013 beginnt Norbert Rier, der sich von einer gesundheitlichen Krise im vergangenen Oktober wieder erholt hat, mit den Kastelruther Spatzen eine „30 Jahre-Jubiläums-Tournee“ (w.f.)

Von Werner Fritsch

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