Alles passt zusammen: Doris Dörries klischeepralle Urlaubskomödie „Alles inklusive“

Überdrehter Humor: Doris Dörries Urlaubskomödie „Alles inklusive“

Erfolgreich als Regisseurin und Autorin: Doris Dörrie (56). Foto: picture-alliance

Ingrids „nackter Busen war der schönste von allen“, damals in den Siebzigern am Strand von Torremolinos. Auf der einen Seite lagen die Hippies, in der Bucht gegenüber lag der Feind in Gestalt von Spießern mit Textilien am Körper.

Karls weiße Hemden waren sogar im Urlaub gebügelt. Heike erledigte das. Ansonsten war sie depressiv. Irgendwann schwamm sie mit aufgeschnittenen Pulsadern im Pool. Ingrid war nicht ganz schuldlos, denn Karl hatte ihre Signale lustvoll empfangen.

Ingrids Tochter Apple, ein Nebenprodukt der freien Liebe, war zur unfreiwilligen Zeugin geworden und hatte fortan ein Beziehungsproblem. Dies ist vielleicht das Nachhaltigste, was sie von ihrer zottelig schönen Mutter in natürlich ungebügelten Batikfetzen mit auf den Weg bekommen hat. Gut 30 Jahre später wird sie der Frauenzeitschriftenjournalistin Susi, die auf der Suche nach ausgesprochen dummen Liebesgeschichten ist, das Band vollsprechen. Apple hat dazu viel Stoff angesammelt in ihrem Bestreben, ein Gegenmodell zu dem ihrer Mutter zu finden. Susi wiederum hat ein Helfersyndrom und eine gar nicht unproblematische Beziehung zu Ralf. Also werden sie Freundinnen. Und weil Susi und Ralf eine Finca in Spanien haben und weil in Doris Dörries neuem Roman wie immer alle und alles mit allen und allem verbandelt sein müssen, treffen sich die Protagonisten immer wieder in Spanien.

Hier hat die Realität längst den ewig gleichen „Traum von Sonne und Meer“ überholt. In den dünnwandigen Appartements der billigen Betonburgen dösen rotgesichtige Rentner mit Plastikbändchen am Handgelenk, meist einen Drink in der Hand, denn alles ist inklusive, auch die Animateure, die es an den so befeuerten Abenden sogar schaffen, den Gattinnen ihre BHs für Pfänderspiele zu entlocken. Eine klischeepralle Panoptikums-Komödie über umfassende Wiederbelebungsversuche einer im Kater nach dem Rausch erstarrten bundesdeutschen Urlaubsgesellschaft.

Einsame und traurige Hippiekinder verübeln ihren Müttern den Spaß von einst, derweil die Männer seltsame Dinge tun. Das ergibt jede Menge Konfliktpotenzial, das fürs Vorabendprogramm taugt oder als Strandlektüre. Mehr aber auch nicht.

Eine Episode, in der ein gestrandeter afrikanischer Bootsflüchtling auf Ingrids Hilfe angewiesen ist, illustriert das aufs Schönste. Exil, ein Spiel, das kann nicht funktionieren. Diese überdrehtem Humor um jeden Preis verpflichtete Schreibweise muss versagen, wenn Konflikte größeren Zuschnitts ins Bild ragen.

Doris Dörrie. Alles inklusive. Diogenes. 252 S., 21,90 Euro, Wertung: !!!::

Von Ulrich Steinmetzger

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