Ein fulminanter Auftritt des Star-Tenors

Kaufmann ist kein Kraftprotz

Bayreuth. Ein neuer Bayreuth-Star ist geboren: Jonas Kaufmann. Sein Debüt auf dem Grünen Hügel als Lohengrin wurde zum Triumph. In zartestem Piano setzt die Partie ein: „Nun sei bedankt, mein lieber Schwan!“ So locker und sicher, wie Kaufmann diese ersten Töne setzte, so souverän bewältigte er die ganze Partie. Nicht als Kraftprotz, sondern mit elegantem, fast italienisch anmutendem Wagner-Gesang.

Ein strahlend heller Tenor, offen bis in höchste Lagen – und eine charismatische Bühnenerscheinung. Nicht ganz so frei, doch mit berührender Intensität und reichem Timbre sang Annette Dasch die Elsa. Ihr Gegenbild, Ortrud, verkörperte Evelyn Herlitzius mit expressiver Stimmgewalt, die teils die Grenzen des Wohlklangs sprengte - und neben Beifall auch Buhs provozierte.

Georg Zeppenfelds Bassgewalt ließ König Heinrich stimmlich alles andere als labil erscheinen. In Samuel Youn hatte er einen kraftvollen Heerrufer. Als Schwachpunkt erwies sich Hans-Joachim Ketelsens stimmlich etwas unstabiles Telramund.

Der 31-jährige lettische Dirigent Andris Nelsons war vorab schon als neuer Star gepriesen worden. Doch wirkte manches an diesem Abend noch unausgegoren. Auf den sehr langsamen Beginn, dessen sphärische Klänge fein erstrahlten, folgten teils sehr rasche Tempi - so auch beim ziemlich geschwinden Brautchor „Treulich geführt“. So verständlich Nelsons’ Drang zur Pathos-Vermeidung ist, sie führte gelegentlich zu Ruppigkeiten, an denen auch der Festspielchor beteiligt war.

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