Zweites Erfolgsrezept waren die Wetten

Keatons Küsse retten "Wetten, dass..?"

Sie küsste alles, was ihr vor Augen kam: Moderator Markus Lanz bekommt einen Schmatzer von Diane Keaton. Foto: Baumann/zdf

Zweimal noch „Wetten, dass ..?“: Die Übertragung aus Erfurt zeigte wunderbar, warum die Show viele Jahre lang ganz große Samstagabendunterhaltung war und welches Potenzial noch immer in diesem Format steckt - und warum es trotzdem gut ist, dass sie bald eingestellt wird.

Der Auftritt von Schauspielerin Diane Keaton werde in die „Wetten, dass ..?“-Geschichte eingehen, sagte Moderator Markus Lanz Samstagabend. Stimmt. Wie die Oscarpreisträgerin, giggelnd wie ein Backfisch, in der Erfurter Messehalle für Stimmung sorgte, war einmalig und sehr witzig. Sie küsste alles ab, was ihr vor Augen kam, auch „ihren“ Wettkandidaten, den Diplom-Forstingenieur Detlev Jarchow aus Wolbrechtshausen (Kreis Northeim). Keatons überkandidelter Auftritt war um so großartiger im Vergleich zum bemühten Besuch von Kollegin Megan Fox, die sich weniger als „eine der schönsten, attraktivsten, sinnlichsten Frauen des Planeten“ (Lanz) zeigte denn als gelangweilte Schnepfe, die sich nicht mal anstrengte, Überdruss und Irritation auf dem Sofa zu kaschieren.

Das Spontane und vollends Unerwartete, das unmögliche Aufeinandertreffen eines Schauspielweltstars mit einem deutschen Comedian (Ralf Schmitz) und einem Fußballweltmeister (Benedikt Höwedes) und welche Funken daraus geschlagen werden können - darin steckte immer ein „Wetten, dass..?“-Erfolgsrezept. Bloß geht das Konzept nicht immer so gut aus wie hier.

Die schrägen Gestalten von Tokio Hotel, Horst Eckel und Wolfgang Joop in einer Sendung - das kann nur „Wetten, dass..?“ Trotzdem blieb die Präsentation solcher Größen blass. Das liegt auch daran, dass Moderator Markus Lanz viele solcher Gelegenheiten versemmelt. Auch das Thema der Küsserei mit Keatons berühmten Filmpartnern strapazierte er über. Lanz vermag die Lücken, Leerstellen und Längen, die es in drei Stunden Show (eine halbe Stunde überzogen) reichlich gab, nicht zu füllen. Da denkt man dann doch nostalgisch an Thomas Gottschalk selig zurück. Was schlimmer ist: Man nimmt Lanz seine Reaktionen nicht ab, sein Lachen wirkt aufgesetzt, und wenn er auf Höwedes’ Haartransplantatation, die nun wirklich durch alle Medien gegangen ist, reagiert mit „nicht dein Ernst“, wirkt das einfach nicht glaubhaft. Oder Lanz, der sich insgesamt in dieser Ausgabe achtbar schlug, hat sich miserabel vorbereitet.

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Merkwürdig, wie Lanz den Regisseur Sönke Wörtmann ein paar Fragen nebenbei stellte, peinlich, wie er Christine Urspruch, Darstellerin von „Albarich“ aus dem Münsteraner „Tatort“, eigentlich nur auf ihre Körpergröße reduzierte, bis die Schauspielerin darauf hinwies, „dass ich nicht nur klein bin“. Unangenehm, wie er Keaton, gerade mal 68 Jahre alt, fragte, welche Ziele sie im Leben noch hat. Unhöflich, wie er Horst Eckel, der den Abend auf dem Sofa sichtlich genoss, nach einer Weile vom Sofa in die Kulisse beorderte. Und dass Megan Fox „leider kurzfristig wegmusste“, war wohl ein Witz.

Das zweite Erfolgsrezept der Show, die nur noch 5,48 Millionen sehen wollten (Marktanteil: 19,8 Prozent) waren immer die Wetten. Auch da hatte Lanz diesmal Glück. Der elfjährige Leon bugsierte innerhalb von drei Minuten acht Bälle per Rückwärtssalto vom Trampolin aus in Mülltonnen - ein erfrischender, ein Spitzen-Auftritt des niedlichen Jungen. Der Südniedersachse Jarchow („ich höre Plastik“) begeisterte beim Erkennen vom Mäusefallen am Zuschnappgeräusch („Von zart bis hart ist alles dabei“) mit seinem trockenen Humor. Ob Lebendbox Curver, kanadische Pestbox oder Wühlmausfalle Luna - Jarchow, der in der Forstlichen Versuchsanstalt Göttingen arbeitet, war gelassen und souverän.

Ein Mann zerquetschte geschlossene Getränkedosen mit bloßen Händen und räumte mit der herausspritzenden Limonade eine Dosenpyramide ab. Drei jungen Männern gelang es, durch permanentes Feuerspucken Mais zu erhitzen und Popcorn zu produzieren. Ein Paar erkannte anhand der Biss- und Sabberspuren, welcher von 20 Hunden eine Frisbeescheibe gefangen hat. Wettkönige wurden vier Eisbach-erprobte junge Männer aus München, die in vier Minuten aus Plastikflaschen, Besenstielen, Folien und Klebeband ein Surfbrett bauten. Einer der Jungs hielt sich dann zehn Sekunden auf der künstlich erzeugten Welle an der Erfurter Messe aufrecht. Und 100 Erfurter kamen in Surferausrüstung dorthin - Stadtwette verloren.

Nächstes Mal wird Markus Lanz also in steirischer Tracht moderieren. Ob die Welt das braucht, sei dahingestellt. Aber wie sagte der 45-Jährige so schön? „Die Sendung hat nicht viel Sinn, aber macht sehr viel Spaß.“ Diesmal schon - weil Diane Keaton so gern geküsst hat.

Von Mark-Christian von Busse

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