Kehrwoche im Wolkenkratzer: Komikerin Rosemie im Theaterstübchen

Sie tapert durchs Leben: Die schwäbelnde Komikerin Rosemie im Theaterstübchen. Foto: Schachtschneider

KASSEL. Rosemie hat’s schwer. Unbemannt und schlicht im Geiste tapert sie durch das Leben, doch will sie es einmal mit Nachdenken versuchen. Ergebnis: leider nix.

Die schwäbische Komikerin Rosemie Warth, die aus Bad Waldsee stammt, trat am Donnerstagabend im prall gefüllten Theaterstübchen auf und bot dem Publikum tiefe Einblicke in ihre flache Seele. Immerhin ist ihr Kleiderschrank voll: Das aus der Zeit gefallene Faltenkleid besitzt sie in vielen Farben, dazu das Gewand eines Revuegirls, in dem sie sich gleich zu Beginn hoffnungslos verheddert.

Überhaupt: Das Tanzen hat es ihr angetan. Der Abend schien manchmal eine Geschichte des Tanzes mit praktischen Beispielen zu sein: Rosemie versuchte sich als Ginger Rogers, im irischen Volkstanz, im ostasiatischen Tempeltanz oder Flamenco. Eleganz: leider nix.

Aus dem Leben etwas machen: Sie wollte ja, doch scheiterte sie an sich selbst. Gärtnerin? Braune Hände statt grüner Daumen: Kindergärtnerin? Diese albernen Kinderlieder. Domina, anonyme Häklerin, Ayurveda, Urlaub unter Palmen, Kehrwoche im Wolkenkratzer in New York.

Ganz unmusikalisch immerhin ist die schwäbelnde Kleinkünstlerin nicht: Aus einem Alphorn (Schwaben?) bringt sie Töne heraus, ebenso aus einer Tuba, und mit dem Singen klappt es auch ganz gut.

Doch mit zwischenmenschlichen Kontakten hat Rosemie so ihre Schwierigkeiten. Zum Glück steht der Gummibaum fest an ihrer Seite. Nachmittags um fünf bekommt er seinen Tee. Kein Wunder also, dass sie den Männern im Publikum Avancen macht. Besonders Jürgen aus der zweiten Reihe hat es hart erwischt. Immer wieder wird er zum Objekt ihrer Begierde - und steht dies ebenso gelassen durch wie seine Frau neben ihm.

Nicht jeder Witz zündete, Rosemie unternahm gar nicht erst den Versuch, unter die Oberfläche zu geraten. Albernheit überwog, die das Publikum durchaus erheiterte. Das war’s dann auch: „Sonst nix“ - so hieß auch das Zweistundenprogramm.

 

Von Johannes Mundry

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