Igor Levit beeindruckte beim Kultursommer: Kein Tastenzirkus, sondern pure Musik

Igor Levit Foto:  nh

Melsungen. Die Besucher des Kultursommers Nordhessen durften gespannt sein auf Igor Levit, denn dem jungen Pianisten werden wahre Wunderdinge nachgesagt.

So meinte die FAZ-Musikredakteurin Eleonore Büning: „Igor Levit aber, im Unterschied zu den Otts und den Stadtfelds und all den anderen netten, schmiegsamen, gut aussehenden Notenabspielern, die für eine Weile von der PR-Maschine nach oben gespült werden, hat das Zeug dazu, einer der großen Pianisten dieses Jahrhunderts zu werden. Besser gesagt, er ist es schon.“

Es war fürwahr kein bloßer Notenabspieler, dem 180 Zuhörer in der Melsunger Villa am Stadtwaldpark intensiv lauschten. Igor Levit demonstrierte, was Klavierkunst sein kann: kein Zirkus, kein oberflächlicher Tastensport, sondern pure Musik.

Er begann mit Liszts Transkription von Franz Schuberts „Sei mir gegrüßt“. Ohne Unterbrechung durch störenden Beifall - ein Zeichen für die von Levit geschaffene Atmosphäre - folgten Schuberts „Six Moments Musicaux“. Tief gehende wie unprätentiöse Werke, die selbst Hobby-Pianisten bewältigen mögen, wenn auch nicht auf solche Weise.

Eine Kultur der feinen Abstufungen und leisen Töne, einen singenden Klavierton, kurz: eine überragende Musikalität zeigte der 24-Jährige. In der zweiten Konzerthälfte widerlegte er dann Klischees über Franz Liszt. Den seriösen, den poetischen Liszt, nicht den Tastenlöwen, für den ihn Halbgebildete halten, würdigte er mit fünf Stücken aus den „Années des pèlerinage“.

Etwa mit der harmonisch ungemein fortschrittlichen Komposition „Il Penseroso“, für die sich Liszt von Michelangelos Statue des Lorenzo de Medici auf dessen Grabmal in Florenz inspirieren hatte lassen. Levit füllte das langsame Tempo mit großer Spannung. Das virtuose Element, weder für Liszt noch für Levit Selbstzweck, war bei „Après une Lecture du Dante“ zu bewundern, und als Zugabe gab es das jedem Klavierschüler bekannte Beethoven-Stück „Für Elise“. Wie wunderbar klingt es bei einem großen Pianisten wie Igor Levit.

Von Georg Pepl

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