Kein Aal in der Wurst

Max Giesinger bekommt in Kassel Nachhilfe auf Nordhessisch

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Ein sympathischer Gastgeber: Sänger Max Giesinger.

Kassel. Das ehemalige Musiktheater in Kassel steht noch. Sänger Max Giesinger hatte zwar vor, den Laden rockstarmäßig auseinanderzunehmen, doch blieb seine Party recht brav.

Weder zerschmetterte er Gitarren auf der Bühne, noch wurde die Bar des bpm 139 in Stücke zerlegt, und auch so richtig ausgeflippt ist niemand.

Die Giesinger-Fete hat eher etwas von einer rappelvollen, fröhlichen Dreitagebart-Studentenparty mit sympathischem Gastgeber, zu der nicht nur Studis eingeladen waren. Im Publikum Kinder mit ihren Eltern, jede Menge „hübsche Frauen“, wie der Sänger feststellte und für seine Konzert überraschend viele Männer.

Gespielt werden Songs aus den Alben „Der Junge, der rennt“ und „Laufen lernen“. Das Laufen im Musikgeschäft hat der 28-Jährige, der einst als Straßenmusiker unterwegs war, längst gelernt. Bekannt wurde er durch seine Teilnahme an der Castingshow „The Voice of Germany“, bei der er 2012 den vierten Platz belegte. Er ist einer der Sänger, die wie Ed Sheeran und Justin Timberlake beweisen, dass man eine solche Show besser nicht gewinnen sollte, wenn man Erfolg haben will.

Mit seinen Hits „80 Millionen“ und „Wenn sie tanzt“ ist Giesinger Stammgast im Radio. Songs, die seine Fans laut und textsicher mitsingen. Doch auch kantigere Lieder wie „Kalifornien“ sorgen für Jubel. Über den freut er sich. Giesinger ist, anders als seine tolle Vorband Lions Head („When I Wake Up), zum ersten Mal in Kassel. In einem Interview hat der singende Kumpeltyp mal gesagt, dass Musik für ihn eine Nebenrolle spielt. Das stimmt zwar bei seinen Konzerten nicht so ganz, aber doch ein Stück weit: Immer wieder plaudert er drauf los, statt zu singen. Erzählt, wie er auf der Bühne gelandet ist, von der schnell beendeten Bank-Ausbildung und er geht durch die Menge, lässt Selfies knipsen. Berührungsängste hat er keine. Obwohl er längst große Hallen füllt, schafft er es bei seinem seit Wochen ausverkauften Konzert, etwas von dieser nahbaren, ganz direkten Straßenmusiker-Atmosphäre zu verbreiten. Ein wohliges Gefühl. Das hinterlassen auch seine Texte, die vor allem Mut machen sollen.

Etwas dazu gelernt hat der Karlsruher Bub auch: In Kassel gibt es die Ahle Wurscht als Besonderheit, erfährt er vom Publikum. Und: „Nein!!“, da ist kein Aal drin, wie der Sänger vermutete. Das sollte er sich merken, andernfalls könnten die Nordhessen beim nächsten Mal vielleicht wirklich den Laden auseinandernehmen - auf einen weiteren seiner Auftritte, wieder ganz ohne Rockstar-Manieren, hofft man in Kassel jedenfalls, das machte der lange Applaus deutlich.

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