Zarte Celesta-Klänge zu dunklem Bass-Geraune

Kasseler Staatsorchester: Keine Kompromisse beim Sinfoniekonzert

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Hohe Intensität: Nareh Arghamanyan als Solistin in Rachmaninows zweitem Klavierkonzert. Patrik Ringborg dirigierte.

Kassel. Heftige Emotionen bestimmten den Auftakt in die neue Konzertsaison. Das Kassler Staatsorchester präsentierte die fünfsätzige Orchestersuite "Elfenhügel".

Kassel. Mit einer Entdeckung startete das Kasseler Staatsorchester am Montag in die neue Konzertsaison. „Elfenhügel“ heißt die fünfsätzige Orchestersuite des dänischen Komponisten Louis Glass (1864-1936), die Generalmusikdirektor Patrik Ringborg und seine Musiker als deutsche Erstaufführung präsentierten, benannt nach dem gleichnamigen Märchen von Hans Christian Andersen.

Zarte Celesta-Klänge zu dunklem Bass-Geraune schaffen sogleich eine märchenhaft verzauberte Atmosphäre, ein quirliges Klarinettenmotiv suggeriert eine vorbeihuschende Eidechse. Plastisch, mit reizvollen Farben und feinen harmonischen Wendungen skizziert Glass die fünf knappen Szenen – besonders witzig im Marsch der Trolle, Kobolde und Gespenster.

Als Antidepressivum nach einer schweren Schaffenskrise komponiert, ist Sergei Rachmaninows 1901 uraufgeführtes zweites Klavierkonzert zum Konzerthit und zum Paradestück vieler Klaviervirtuosen geworden. Solistin in Kassel war die mehrfach preisgekrönte armenische Pianistin Nareh Arghamanyan (27).

Schon mit den einleitenden modulierenden Klavierakkorden drehte Arghamanyan den Emotionsregler auf die höchste Stufe. Und auch das Staatsorchester hat man unter Ringborgs Leitung kaum einmal mit einem derart dunklen, dichten, ja, dicken Kraftton gehört wie bei diesem Beginn. Höchste Intensität kennzeichnete das gesamte Konzert, in dem die Pianistin nicht nur ihre atemberaubenden manuellen Fähigkeiten demonstrierte, sondern auch einen geradezu überbordenden Gestaltungswillen.

Rachmaninow hat den Klavierpart seines zweiten Konzert trotz höchster pianistischer Anforderungen im Wesentlichen in den sinfonischen Zusammenhang eingebunden. Allerdings ging die Pianistin mit ihrer höchst eigenwilligen Agogik und ihrem eruptiven Spiel immer wieder eigene Wege – ein intensives Miteinander von Solistin und Orchester kam nur ansatzweise zustande. Dem Jubel des Publikums in der fast ausverkauften Stadthalle tat dies keinen Abbruch.

Ihren sehr individuellen Stil demonstrierte Arghamanyan auch in den Zugaben, Rachmaninows „Vocalise“ und der wild herausgehauenen „Carmen-Fantasie“ von Bizet-Horowitz.

Hans Christian Andersens Märchen „Die Seejungfrau“ bildet die Vorlage für Alexander von Zemlinskys 1903 uraufgeführte gleichnamige Orchester-Fantasie. Eine hoch expressive Musik mit schönen Violinsoli (Razvan Hamza). In den ersten beiden Sätzen zeigt sich Zemlinsky vielleicht zu verliebt in seine Themen. Höhepunkt war der dichte, schmerzvolle Schlusssatz – toll gespielt vom Staatsorchester. Langer Beifall.

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