Die Kasselerin Peggy Sinclair wäre heute 100 Jahre geworden

Keine leichte Liebe

Peggy Sinclair, 1931 von dem Kasseler Künstler Karl Leyhausen gemalt. Das Ölbild befindet sich heute in Privatbesitz. Foto: nh

Sie war die erste große Liebe des Literaturnobelpreisträgers Samuel Beckett: Peggy Sinclair. Heute wäre sie 100 Jahre alt geworden. Ihretwegen zog es den damals noch unbekannten irischen Schriftsteller mehrmals nach Kassel.

Im Sommer 1928 verliebte sich das Paar in Dublin ineinander, wo Sinclair als gebürtige Irin den Sommerurlaub verbrachte. Ihre Eltern waren mit ihr und den vier Geschwistern einige Jahre zuvor von Dublin nach Kassel emigriert. Sinclairs Vater interessierte sich für avantgardistische Malerei, fühlte sich angezogen von dem guten Ruf der Kasseler Kunstakademie.

Beckett reiste der damals 17-Jährigen hinterher, besuchte sie insgesamt achtmal im Kasseler Vorderen Westen, wo sie in der Landgrafenstraße 5 (heute: Bodelschwinghstraße) lebte.

Es war keine unbeschwerte Liebschaft, denn Ruth Margaret „Peggy“ Sinclair war als Cousine eng verwandt mit Beckett, die Beziehung wurde von den Eltern des Mannes kritisch beäugt. Auch weil Becketts strengen Eltern die lockere Lebensweise der Familie Sinclair missfiel, die immer eine offene Tür für Kulturinteressierte hatte. Die Beziehung des Paares hielt nur 18 Monate. In der Silvesternacht 1929/30 trennten sie sich nach einem heftigen Streit in Kassel.

Peggy Sinclair galt als lebensfroh und fordernd, litt aber auch an Depressionen. Verbürgt ist ihre Vorliebe für die Farbe Grün, die sich in ihrer Kleidung niederschlug.

An Ostern 1931 erkrankte sie an einer Lungentuberkulose, an der sie am 3. Mai 1933 mit 22 Jahren in einer Klinik in Bad Wildungen starb. Ihr berühmter Liebhaber hat ihr ein literarisches Denkmal gesetzt: In einer Truhe, die erst nach Becketts Tod entdeckt wurde, lagerte das Manuskript zu dem autobiografisch eingefärbten Roman „Traum von mehr bis minder schönen Frauen“.

Heute ab 19 Uhr liest Rainer Wieczorek in der Märchenwache Schauenburg die „Tuba-Novelle“, in der es auch um das Leben Sinclairs geht. Die Samuel Beckett Gesellschaft organisiert Fahrgemeinschaften. Treffpunkt ist um 18 Uhr die Friedenskirche, Friedrich-Ebert-Straße 121, Kassel.

Von Sonja Broy

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.