Nur keine Liebesgefühligkeit: Die Pömps und ihr neues Musikkabarett „Küss die Hand“

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Erinnern sich an das Ärgernis Mann: Brigitte Wilke, Jutta Gerling-Haist, Margot Hainzl (von links) in „Küss die Hand“.

Kassel. Sexy Hexen sind das. Raunen und wispern, seufzen und klagen. Sitzen im Kreis, schwarz gekleidet in Spitze und Samt, legen sich die Hände gegenseitig auf die Schultern, Verschwisterung, Verschwörung, und stimmen ihr bitterböses Liedchen an: „Es gibt ka Musi ewig, und ka Glück für ewig.“ Die Hexen, oder sind’s Damen, eröffnen die Hatz auf den Mann.

Die Pömps, man kennt sie aus vier gelungenen Programmen in Kassel: Petticoat und Tellerrock, 50er-Jahre-Revue und auch buntes Deutschland in den 60ern. Doch jetzt legen sie mit ihrer Höllenrevue, die am Freitag im voll besetzten Theaterstübchen Premiere hatte, kräftig nach, eine neue Facette, grüblerischer und dunkler.

Bissige Texte

Ihr Musikkabarett „Küss die Hand“, inszeniert von Verena Plangger sowie Michael Wilke und von Verena Joos mit bissigen Zwischentexten ausgestattet, atmet Wiener Schmäh, gelungen in seiner Balance zwischen Melancholie und schwarzem Humor, Liebessehnsucht und -überdruss. Die drei Damen schmoren in der Hölle, Zeit genug, das Ärgernis Mann, Zumutung des Lebens, in all seinen Schattierungen zu erinnern, zu besingen.

Zur Klavierbegleitung von (dem auch singenden) Michael Wagner überraschen Jutta Gerling-Haist, Margot Hainzl und Brigitte Wilke mit sorgsam ausgewählten und fein abgestimmten Liedern von Georg Kreisler bis Georgette Dee, von Holländer und Schubert bis zu bekannten Ufa-Liedern. Ein Trio Infernal, das seinen Danse macabre mit Verve und musikalischem Witz präsentiert: Unter die Haut gehend wie Gerling-Haist, die zuweilen auch jazzige Töne einstreut, Kreislers Lied „Wenn die Mädchen nackt sind“ wunderbar gebrochen interpretiert, wie Margot Hainzl „Die Unscheinbare“ von Wiener bis in die letzt Pose nachspielt und Brigitte Wilke „Emils Lust“ voll Hintersinn und Bosheit zelebriert. Und ihr gemeinsames „Nehm’s ’n Alten“ ist ganz im Kreisler-Stil eine lustvolle Abrechnung mit den Zynismen der Paarung.

Nein, der Mann, der Eroberer und Verführer, der Wegwerfer und Beender, kommt bei diesem Trio nicht gut weg, vorbei mit der Liebesgefühligkeit: „Baby, zieh dich warm an“, schmettern sie dann desillusioniert ihren abgewandelten Song von Randy Newman ins Publikum. Stürmischer Applaus, einige Zugaben und viele, viele Rosen für die Damen.

„Eine Höllenrevue für Trio Infernale und Pianoforte“ der Pömps auch am Montag und 2.3., 20 Uhr, im Theaterstübchen, Jordanstraße 11, Tel. 0561/8165706.

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