Die New Yorker Sängerin Suzanne Vega im ausverkauften Kasseler Kulturzelt

Keine Lieder über Liebe

Solo war sie am stärksten: Suzanne Vega bei ihrem Kasseler Auftritt. Foto: Schachtschneider

Kassel. „Dab dab daa dab, dab dab daa dab ...“ Die Besucher des ausverkauften Suzanne-Vega-Konzerts am Samstagabend im Kasseler Kulturzelt werden nun vermutlich immer wieder diese Melodie im Ohr haben, die sich so hartnäckig im Kopf festsetzt.

„Tom’s Diner“, den Riesen-Titel von 1987, eine im Original nur zwei Minuten lange, poetische, wunderschöne A-cappella-Miniatur, sang die gerade 52 Jahre alt gewordene Vega in rauher, ungewohnter Fassung. Vorher schnell „Luka“, den anderen großen Hit, als wolle sie die bekanntesten Songs zügig abhandeln.

Tatsächlich ist es lange her, seit ihr Album „Solitude Standing“ Furore machte. Fast 25 Jahre, in denen es ruhiger um die New Yorkerin wurde, die großen kommerziellen Erfolge ausblieben, sie heiratete, eine Tochter bekam, geschieden wurde, wieder heiratete, die Plattenfirma wechselte, ein Theaterstück über die Autorin Carson McCullers schrieb, dazu komponierte sowie ihre Hits neu aufnahm.

Jetzt ist Vega also wieder auf Tour. „Ready?“, fragt sie sachlich, ja, alle sind bereit, es kann losgehen. Erklären muss sie noch, dass sie keineswegs nur „Love Songs“ spielen wird, wie das Programm betitelt ist, und ein paar Mal werben, man solle sich auf Facebook mit ihr anfreunden. Ihre keinesfalls gefälligen, mitunter sperrigen Lieder, bei denen sie ihre Wandlungsfähigkeit beweist, handeln gerade auch von der Unmöglichkeit der Liebe - zum Beispiel zwischen Frank Sinatra und Eva Gardner.

Suzanne Vegas zerbrechlich-zarte, zurückhaltende Stimme ist faszinierend wie eh und je, gebannt lauscht das Publikum dem Sprechgesang zur akustischen Gitarre. Höhepunkte sind die beiden Titel, bei denen sie allein auf der Bühne steht.

Denn Vegas Begleiter, der Ire Gerry Leonard an der E-Gitarre, dominiert die Arrangements, indem er zu dick aufträgt. Wo vor einer Woche William Fitzsimmons’ fabelhafte Musiker wie mit feiner Feder zeichneten, nutzt Leonard - laut und mit viel Hall - den ganz breiten Pinsel. Optisch wirkt es, als habe Leonard die Autobahnausfahrt zum Burg-Herzberg-Festival verpasst, musikalisch ist er eher Typ gealterter Rock-’n’-Roller. Fehlte nur noch, dass er am Ende die Gitarre zerdeppert wie einst Pete Townshend von den Who.

Es ist ein bisschen wie im Gourmetrestaurant, wo ein aus edlen Zutaten komponiertes, fein abgestimmtes, sorgfältig gewürztes Menü am Ende mit einer dicken Schicht Käse zugedeckt wird, wo es ein paar Parmesanflöckchen getan hätten: nicht perfekt. Leonard, sicher ein guter Gitarrist, mit seinen dröhnend-krachenden Soli, die samtig-folkig-melancholische Vega mit Fingerschnippen und Tänzeln - richtig magisch war diese Kombination nicht.

Von Mark-Christian von Busse

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