Keine Lust mehr auf Musik: Popstar Laith Al-Deen über seine Lebenskrise

Vor zehn Jahren war Laith Al-Deen eine ganz große Nummer, sein Album „Für alle“ stand auf Platz eins der deutschen Charts, der Mannheimer spielte in großen Arenen. Dann jedoch liefen die Dinge etwas schief.

Den heute 42-Jährigen verließen Erfolg und Motivation, jüngere Kollegen wie Tim Bendzko und Clueso zogen an ihm vorbei, und die Plattenfirma ging auch noch Pleite. Doch der Sohn eines Irakers und einer Deutschen kämpft wieder. Sein achtes Album „Was wenn alles gut geht“ ist das Dokument seines Versuchs, wieder Halt zu finden.

Auf Ihrem neuen Album heißt es: „Was, wenn wir feiern können, weil jetzt endlich alles stimmt.“ So bedingungslos optimistisch kannte man Sie bislang gar nicht.  

Laith Al-Deen: Das liegt daran, dass ich den Song nicht selbst geschrieben habe. Der stammt von Leon Taylor, dem Sohn des Peter-Maffay-Bassisten Ken Taylor. Der Text, in dem es ums Zweifeln, Entscheiden und Aufbrechen geht, traf für mich den Nagel auf dem Kopf. So uneingeschränkt hätte ich Zuversicht nicht auf den Punkt bringen können. Bei mir wären die Zeilen wohl ein wenig skeptischer geraten.

„Lass es los“ handelt von einem Menschen, der völlig ausgebrannt und in jeder Hinsicht am Ende ist. Sind Sie dieser Mensch? 

Al-Deen: Nein. „Lass es los“ ist die Geschichte eines Freundes, der im klassischen Sinne abrauschte und sich schließlich selbst ins Krankenhaus einwies. Für uns alle war es erschreckend, mitzuerleben, wie lange man sich gegenüber sich selbst verleugnet. Bei mir selbst war die Krise längst nicht so schlimm.

Was genau war los? 

Al-Deen: Ich will das gar nicht mit dem Modewort „Burn-Out“ beschreiben, es ging einfach in Richtung Lebenskrise. Als die vorherige Platte fertig war, hatte ich ein schlechtes Gefühl. Selbst die Tournee hat mir kaum Spaß gemacht. Ich fühlte mich gelähmt und irgendwie eingefahren. Ich begann, mich zu fragen, ob ich überhaupt noch Musik machen will.

Was wäre die Alternative? 

Al-Deen: Kochen! Ich würde gern mit meinem Vater ein gehobenes arabisches Restaurant in Mannheim eröffnen. Wir beide kochen wirklich gut. Meine Frau und meine Mutter müssten auch mitmachen. Das ist ein großer Traum von mir. Leider ist mein Vater ein bisschen faul.

Aber jetzt haben Sie wieder zur Musik gefunden. War ein langwieriger Prozess, oder?

Al-Deen: Ja, absolut. Ich habe ein kleines Studio im Keller, dort habe ich fast zwei Jahre verdaddelt und total frei mich in Blues, Heavy Metal und Funk ausprobiert. Manche Sachen klingen wie die Foo Fighters, manche wie Iron Maiden. Irgendwann kam wieder ein Song heraus, über den ich dachte „Das wird Spaß machen mit einem deutschen Text“. So wurden die Steine im Magen langsam weniger.

Haben Sie sich selbst therapiert? Durch musikalisches Ausprobieren? 

Al-Deen: Nein, nicht nur. Ich habe mir auch Hilfe von außen geholt, was sehr wichtig war. Natürlich verdanke ich meinem Umfeld sehr viel, aber ich kann nur jedem empfehlen, therapeutische Hilfe zu suchen. Das Stigma rund um seelische Leiden verschwindet glücklicherweise. Die Leute gehen offener mit Depressionen um.

Ist jetzt alles wieder in Ordnung? 

Al-Deen: Ich blicke wieder positiv nach vorn, aber der Zweifler in mir ist geblieben. Soll er auch. Was meine Musik angeht, bin ich sehr guter Dinge. Nach der Pleite meiner alten Plattenfirma bin ich zurück bei Sony. Dass keiner mehr erwartet, dass ich Musik für Teenager mache, erkennt man schon daran, dass ich auf einem Foto im Booklet eine Zigarette rauche.

Deutschsprachige Musik boomt. Kommt Ihnen das entgegen? 

Al-Deen: Der Wettbewerb ist sehr groß. Das habe ich mir immer gewünscht, jetzt muss ich damit leben. Ich finde es toll, dass wir so viele sind.

„Was wenn alles gut geht“ ist bei Sony erschienen.

Von Steffen Rüth

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