Sub-Structure und der Trompeter Thomas Heberer begeisterten im Theaterstübchen mit unbequemem Jazz

Keine Musik zum Kuscheln

Reicher Sound: Trompeter Thomas Heberer und der Kasseler Posaunist Detlef Landeck. Foto: Schachtschneider

KASSEL. Toll, wenn unbequemer Jazz so viel Anklang findet wie am Dienstag im Theaterstübchen. Riesenbeifall gab es für schräge, tiefe Klänge und einen Schuss Subversion. „Tanz der Ministerialbeamten“ hieß eine tönende Karikatur, die das Gegenteil von Kuscheljazz bedeutete.

Zu hören war die Band Sub-Structure mit dem bekannten Jazzforscher und Musiker Ekkehard Jost, dem Kasseler Posaunisten Detlef Landeck, dem Kontrabassisten Kubi Kubach und dem Schlagzeuger Joe Bonica. Als Gast mischte der Trompeter Thomas Heberer mit.

Wer den Wert eines Künstlers nach dessen Auftauchen im Fernsehen bemisst, mag davon beeindruckt sein, dass Heberer vor seinem Umzug nach New York in der Band der „Harald Schmidt Show“ gespielt hat. Aussagekräftiger ist sein Ruf in der Fachwelt. Heberer verfügt über einen reichen, expressiven Sound, angereichert mit Spieltechniken wie der Zirkularatmung. Man staunte über ein Solo, bei dem der Ton auf wundersame Weise auch dann weiterklang, als er die Trompete von den Lippen absetzte.

In der Musik fehlte nicht der Griff in „die depressive Kiste“, um eine launige Formulierung Josts zu zitieren. Überaus dunkel klang es, wenn Jost vom Baritonsaxofon zur Kontrabassklarinette wechselte und Landeck von der Posaune zur Tuba. Aber es gab auch hitzige Attacken, was dem Jazz immer ein gewisses Aufbegehren gibt.

Dass Spießer vom Jazz überfordert sind, bildete übrigens eine Quelle von Heiterkeit: Jost amüsierte mit der Lesung eines Artikels aus den 50er-Jahren.

Von Georg Pepl

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