Interview: Die Chemnitzer Band Kraftklub tritt am Sonntag beim Open-Flair-Festival in Eschwege auf

„Keine Retter einer Generation“

Eschwege. Mit Hits wie „Zu jung“, „Indiedisco“ oder „Ich will nicht nach Berlin“ katapultierte sich das Quintett Kraftklub an die Spitze der Hitparaden und Festivals. Am Sonntag tritt die Band beim Open-Flair-Festival in Eschwege auf. Wir sprachen mit Sänger Felix Brummer und Gitarrist Steffen Israel.

Sie sind eine Band, die vom Erfolg her in den letzten beiden Jahren eine rasante Entwicklung durchlaufen hat. Wie sehen Sie sich selbst?

Felix Brummer: Wir wohnen immer noch in Chemnitz. Wir haben immer noch zu wenig Geld, aber wir brauchen immer noch ganz wenig Geld, weil wir viel unterwegs sind. Wir sehen jetzt gerade, dass die Leute viele Karten für unsere Konzerte kaufen. Es wurden Zusatzshows anberaumt.

Glauben Sie, dass Sie mit Ihrer neuen Platte „Mit K“ einen Zeitgeist getroffen haben?

Steffen Israel: Zeitgeist ist ein schwieriges Wort. Die Musik kommt eben gut an. Mit Zeitgeist hat das nur im weitesten Sinne etwas zu tun.

Brummer: Wir haben die Texte so geschrieben, wie wir uns unterhalten. Es sind Sammlungen von Gesprächen und Sachen, die in unserem Freundeskreis passieren. Für manche mag das zeitgeistig sein, aber für uns war es immer top aktuell.

Wann haben Sie angefangen mit den Kompositionen?

Brummer: Die Hälfte der Songs auf dem Album waren mit die Lieder, die wir schon live gespielt haben. Das war zu wenig, um ein Ein-Stunden-Set zu füllen. Wir waren unterwegs, hatten die Produktion des Albums im Nacken, und dann haben wir halt viel auf Tour geschrieben. Wir haben viel beim Soundcheck gemacht, viele Textideen im Bus gesammelt.

Diese Platte handelt von Trennungen, Brüchen, Veränderungen und Beharren. Sind Sie Menschen, die ihre Umgebung so weit beobachten, dass es jetzt eine Art kulturellen Bruch gibt, vielleicht im Verhältnis zu anderen Zeiten?

Brummer: Uns fällt es immer ein bisschen schwer, Zusammenhänge zwischen uns und der kompletten Gesellschaft zu sehen. Für uns ist es relativ klar, wovon unsere Songs handeln. Es fällt uns schwer, den kulturellen Bruch in der Gesellschaft durch unsere Musik zu interpretieren. Es handelt einfach von Trennungen, weil einfach Mädchen weggegangen sind, also ganz banale Sachen.

Israel: Also ganz die klassischen Popthemen, was einen eben so beschäftigt, wenn man Anfang 20 ist.

Dann ist der Subtext, der Ihre Lieder begleitet, eher unpolitischer Natur?

Brummer: Generell sehr unpolitisch. Uns war klar, wir machen Popmusik, also nicht mehr und nicht weniger, und wir sind jetzt nicht die Retter einer Generation.

Haben Sie größere Diskussionen über die Musik oder wird die spontan eingespielt?

Brummer: Bei den Songs ging es darum, dass sie live funktionieren. Wenn du Vorband von den Beatsteaks bist, dann musst du auch eine Ansage bringen, dann werden auch gnadenlos auch wieder Passagen rausgekickt, wenn die nicht funktionieren.

Aber wenn das zweite Album kommt, wird es schwieriger, die Substanz oder Essenz der Band zu finden.

Brummer: Was heißt schwieriger? Es wird unmöglich. Also, man kann ja nur verlieren. Entweder man wiederholt sich oder man ist sich untreu geworden. Eins von beiden. Man weiß, es kann nur schief-gehen. Und das macht es für uns total entspannend.

Von André de Vos

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