Fünf Rollen für eine Darstellerin: Katja Riemann über Masken, Alltagsbeobachtungen und ihren neuen Film

„Keine Rezepte für die Liebe“

Kaum zu glauben: Links, das ist Katja Riemann in ihrer Rolle als Peggy in der Komödie „Die Relativitätstheorie der Liebe“, an der Seite von Olli Dittrich als Youssef. Und das ist tatsächlich der Schauspieler rechts. Foto: Universal

Im Berliner Reigen „Die Relativitätstheorie der Liebe“, der diese Woche in die Kinos kommt, schlüpft Katja Riemann in fünf Rollen - von der grauen Angestellten des Gesundheitsamtes über die esoterische Yogaschülerin bis zum venezuelanischen Vollweib. In Otto Alexander Jahrreiss’ Komödie spielt sie an der Seite von TV-Komiker Olli Dittrich.

Fünf Charaktere in einem Film zu spielen - ist das die ultimative Herausforderung?

Katja Riemann: Ich hatte schon Befürchtungen, dass der Brocken zu groß ist. Aber die besten Mittel gegen Nervosität sind Wissen, Können und eine gute Vorbereitung. Das Interessante war, dass man nicht nur die Rollen kreieren, sondern die Figuren in Relation zueinander sehen musste. Es gab Eigenschaften, die ich einer Figur nicht geben konnte, weil die von einer anderen besetzt waren. Da musste man bei Gestik oder Körpersprache sehr pingelig auf Überschneidungen achten, um die Figuren nicht zu verwässern.

Hatten Sie eine heimliche Lieblingsfigur?

Riemann: Wenn ich fünf Kinder hätte, würden Sie mich auch nicht fragen, welches mein Lieblingskind ist.

Steckt in jeder Figur ein wenig von Ihnen selbst?

Riemann: Erst mal gibt es ja ein Drehbuch, das ist die halbe Miete. Die Figur entsteht als Mix zwischen diesem Skript und meinen Vorstellungen. Natürlich gibt es Momente der Wiedererkennung, gerade in einem Film, in dem man das Thema Liebe durchdekliniert.

Ist Liebe Zufall, Schicksal oder harte Arbeit?

Riemann: Da habe ich keine Rezepte. Wenn ich wüsste, was Liebe ist, hätte ich den Nobelpreis. Zum Glück weiß das keiner, sonst könnten sich nicht so viele Filme, Bücher, Gedichte und Kunstwerke damit beschäftigen.

Im Film geht es auch um Formen der Einsamkeit.

Riemann: Eigentlich ist nur Peggy wirklich einsam. Sie hat in ihrer Wohnung alle Fenster verklebt, weil sie Angst hat, dass sie rausspringt. Sie flüchtet nicht vor der Einsamkeit, sondern erträgt sie still. Sie ist eine tragische, aber auch eine herzerwärmende Figur. Die Schauspielerin Alexa wiederum ist nicht einsam, sondern Single. Das ist ein großer Unterschied. Die Yoga-Dame Eva sucht nach dem Nirwana und will durch Meditation ihren Körper überwinden. Das ist keine Einsamkeit, sondern die Sehnsucht nach Auflösung.

Wie hilfreich sind Kostüm und Maske?

Riemann: Zu meiner altmodischen Schauspielausbildung gehörte die Comedia dell’ Arte, bei der mit Masken gearbeitet wird. Da hieß es, das Gesicht muss so sein wie die Maske, die man trägt. Als Schauspielerin nimmt man seine Sicherheit aus dem Wissen um die Rolle. Maske und Kostüm sind mehr eine Hilfe für das Publikum.

Sind Sie mit der Maske auch auf die Straße gegangen?

Riemann: Mehrfach. Ich kann Ihnen sagen, als graumäusige Peggy mit dicker Brille und breiter Zahnleiste hatte ich so was von meine Ruhe. Es ist betrüblich, welchen Stellenwert Schönheit oder Sexiness in unserer Gesellschaft haben.

Wie viele Alltagsbeobachtungen stecken in den Figuren?

Riemann: In der Schauspielschule hieß es: Setzt euch in die U-Bahn, geht in den Zoo! Ich beobachte gern Menschen. Meine Tochter stößt mich an, wenn ich Leute anglotze. Ich würde manchmal am liebsten mit nach Hause gehen und sagen: „Macht einfach weiter mit eurem Leben, ich sitze still in der Ecke und schaue euch zu.“

Von Martin Schwickert

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