Das Diknu Schneeberger Trio und Anyone’s Daughter im Theaterstübchen

Keine Verschnaufpause

Virtuos: Nachwuchsgitarrist Diknu Schneeberger. Foto:  Socher

Kassel. Das hatte etwas von einer Konferenzschaltung. Im Cassalla-Theater spielte im Rahmen der „Six Strings“-Konzertreihe das Diknu Schneeberger Trio und nebenan, nur durch einen schmalen Flur getrennt, rockten zur selben Zeit Anyone’s Daughter das Theaterstübchen. Bei flirrendem Gypsyjazz und opulentem Musicalpop wurden Tonnen von gezupften und angeschlagenen Noten über den jeweiligen Fangruppen abgeworfen.

Beide Bands geizten nicht mit Tönen, selten gönnte man den Gästen eine Verschnaufpause. Der Unterschied lag in der Dynamik und der Sensibilität, mit denen man sich dem musikalischen Ziel näherte. Bei dem 20-jährigen Diknu Schneeberger handelt es sich um einen jungen Gitarrenvirtuosen, der schon über eine profunde Spieltechnik verfügt. Was den sympathischen Österreicher jedoch besonders auszeichnet, ist sein Spielinstinkt, mit dem er verschiedene Improvisationsstile abruft.

Geschmack und Eleganz prägen jeden Tanz über das Griffbrett, eingeflochtene Melodieschnipsel und verzierende Effekte umschmeicheln eine emotionale Architektur, die der Klangwelt eines Django Reinhardt nachempfunden ist. Und mit seinem ehemaligem Gitarrenlehrer Martin Spitzer und Vater Joschi Schneeberger am Kontrabass hat er die perfekten Anfahrer für seine Sprints. Typischen Gypsyhits wie „Sweet Georgia Brown“ und „Josef, Josef“ stellte er Bossa-nova-Entspannung an die Seite, und auch der Beatles-Klassiker „I love her“ wurde veredelt.

Schnitt. Zur gleichen Zeit ballerten Anyone’s Daughter wulstige Keyboard-Akkorde und spitze Gitarrensounds aus den Boxen. Tolle Kompositionen wurden in einer überharten Abmischung niedergemetzelt und Sänger Andre Caswell konnte nur phasenweise seine Qualitäten ausspielen. Doch auch bei diesem Trio (Keyboards: Matthias Ulmer, Gitarre: Uwe Karpa) konnte man zwischen den Zeilen hohe Instrumentalkunst entdecken. Für beide Formationen gab es reichlich Applaus.

Von Andreas Köthe

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