Olli Schulz ist der komischste Liedermacher Deutschlands, nur leider merkt es keiner

Keiner scheitert schöner

Die Wanderhure der Pop-Industrie: So nennt sich Olli Schulz, der angeblich von Sony gefeuert wurde, weil er nicht genügend Platten verkaufte. Ob er deshalb einen Colt trägt? Foto: Richard /nh

Olli Schulz lässt sogar den großen Komiker Bully Herbig alt aussehen. Bei der Premiere des „Z ettl“-Films vor wenigen Wochen im klirrend kalten Berlin ließ sich der Musiker und Entertainer für die ZDFneo-Show „NeoParadise“ filmen, wie er am Roten Teppich mit Stars wie Hellmuth Karasek reichlich Whiskey trank.

Der schon ziemlich angetütelte Schulz legte sich mit Security-Leuten an und nannte einen von ihnen „Orang-Utan-Klaus“. Als Herbig keinen „Lütten“ mit ihm trinken wollte, drohte ihm Schulz, dass er künftig nicht mehr seine Gags schreiben werde. Der „Zettl“-Hauptdarsteller war beeindruckt und sagte nur: „So hab ich auch mal angefangen.“

Olli Schulz ist der komischste Mitarbeiter der ohnehin sehr komischen ZDFneo-Show mit dem Moderatoren-Duo Joko und Klaas, das als Gottschalk-Nachfolger für „Wetten, dass ..?“ im Gespräch war. Wenn das ZDF mutig wäre, würde es dem Anarcho-Entertainer eine eigene Sendung geben. Dann bekäme der 37-Jährige endlich die Aufmerksamkeit, die er schon lange verdient.

Seit fast einem Jahrzehnt macht der gebürtige Hamburger, der längst in Berlin lebt, witzigen Liedermacher-Pop - nur hat das kaum einer mitbekommen. Vor drei Jahren verirrten sich nur 80 Fans in das 500 Plätze fassende Zelt des Vellmarer Festivals Sommer im Park. Es wurde trotzdem ein großer Abend, an dessen Ende Schulz’ Hund über die Bühne lief.

Der Husky ist mittlerweile gestorben. Sein neues Album wollte Schulz ursprünglich „Zuhause ist da, wo man sich aufhängt“ nennen, was zu ihm passen würde. Nun lautet der Titel jedoch: „S.O.S. - Save Olli Schulz.“ Dieser Mann muss unter Artenschutz.

Über Koks und Nutten

Seine Schrammel-Folk-Songs zur Akustik-Gitarre mit Gastmusikern wie Gisbert zu Knyphausen sind lustig wie die Hymne auf die „Spielerfrau“ und anrührend wie das traurige „Koks & Nutten“, in dem Schulz über den tiefen Fall eines Popstars singt: „Für die Bands, die ich so liebte, / die der Erdboden verschluckte, / für die so genannten Verlierer, / die Entrückten und Beseelten, / die mir in wunderschönen Liedern / von ihrer Sehnsucht erzählten. / Für die möchte ich singen, / weil ich auch nur einer bin /  auf der Suche nach dem Moment, / wenn die Musik jeden Lärm und jeden Schmerz von dir nimmt.“

Anders als sein drei Jahre alter Partyknaller „Mach den Bibo“, in dem Schulz Kassel in eine Reihe mit New York und Rio stellte, wird das Lied wohl kein Hit. Deshalb überlegte er zuletzt, ob er nicht einen schlüpfrigen Schlager für Ballermann-König Mickie Krause schreiben sollte. Den Refrain hat er schon fertig: „Sie war Eng-, Eng-, Engländerin.“

Olli Schulz: S.O.S. - Save Olli Schulz (Trocadero/Indigo). Wertung: !!!!:

Von Matthias Lohr

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.