Keiner verliert schöner: Das Fußballbuch des Berliners Horst Evers

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Star der Berliner Lesebühnen: Horst Evers (47). Foto: Zauritz/nh

Glücklicher als bei einem Weltmeistertitel der deutschen Mannschaft wäre der Fußballfan Horst Evers nur noch, wenn die Mannschaft von Joachim Löw nicht gewänne. In seinem neuen Bestseller „Vom Mentalen her quasi Weltmeister“ gesteht der Berliner Schriftsteller und Kabarettist, dass „meine Lebensqualität sehr gewonnen“ hat, seit die Deutschen anders als früher schön, aber nicht mehr erfolgreich spielen.

Evers reist viel durch andere Länder. Früher wurde er dort wegen der deutschen Rumpelfußballer, die so manchen Titel holten, oft verspottet. Nun stellt er fest: „Die deutsche Mannschaft, ihr Auftreten und ihre Art und Weise, mit der Niederlage umzugehen, kommt sehr gut an. Mir erscheint das viel wertvoller als irgendwelche Titel.“

Sein neuer Erzählband ist voll von solchen ungewöhnlichen Erkenntnissen und damit viel wertvoller als die zahllosen WM-Sonderhefte, die gerade überall am Kiosk liegen. Evers stellt die 32 Teilnehmer und 20 weitere Länder vor. Es geht um Fußball, aber vor allem um die Menschen, fremde Kulturen und Klischees.

Über den Engländer und dessen Kampfgeist schreibt der 47-Jährige, dass er den ganzen Tag „fighte“. Dabei schwitze der Engländer so sehr, dass der berühmte Londoner Nebel entstehe. Und ein Freund hat Evers erzählt, dass es für Linienbusse in Chile weder Fahrpläne noch feste Routen gebe. Deswegen habe die Regierung ein Gesetz verabschiedet, das Busfahrer verpflichte, den Fahrgästen zu sagen, „in welche Richtung sie wahrscheinlich weiterfahren“.

Es ist eine sehr lustige Länderkunde, mit der Evers seit Wochen auf der „Spiegel“-Bestsellerliste steht. Dabei ist der Autor eigentlich ein Verlierertyp. Aufgewachsen ist er als Gerd Winter in einem Dorf namens Evershorst nördlich von Osnabrück. Sein Germanistik- und Sozialkunde-Studium in Berlin brach er ab, stattdessen jobbte er in Kneipen und schrieb komische Geschichten über sein Leben, in dem er oft zu kurz oder zu spät kommt. In der Reihe „Dr. Seltsams Frühschoppen“ wurde er bald zum Star der Berliner Lesebühnen.

Die Alltagsbeobachtungen des Familienvaters zählen zum Lustigsten, was es hierzulande im Buchregal gibt. Selbst zu einem staubtrockenen Thema wie Fußballtaktik fallen ihm gute Pointen ein: Neben dem vorherrschenden 4-2-3-1-System, das bei der WM fast alle Teams spielen werden, gebe es noch das 1-1-0 („weg die Pille und dann auf die Knochen, bis der Arzt kommt“) und 47-11 („zwei Wochen lang vor dem Spiel nicht duschen, um den Gegner durch Geruch zu irritieren“). Damit könnte Löw auch gewinnen.

Horst Evers: Vom Mentalen her quasi Weltmeister. Rowohlt. 272 Seiten, 18,95 Euro. Wertung: vier von fünf Sternen

Von Matthias Lohr

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