Zeitgenössische Kunst erleben: Kinder vom Spielhaus Weidestraße eroberten drei Tage das Fridericianum

Keinerlei Scheu im Museum

Junge Kunstexperten: Marie Christin Röhrich (von links), Jana Kaiser, Sandra Ortmann (Kunsthalle), Tanja Kaiser, Julia Gürge, Ksenia Lassukova, Petra Meyer (Spielhaus Weidestraße) und Raphael Stein stehen vor „Sunset Painting“ von Andro Wekua. Foto: Malmus

Kassel. Vorsichtige Zurückhaltung im Museum, ängstliche Scheu vor Kunstwerken? Nicht bei Marie Christin Röhrich und Julia Gürge. Die beiden Mädchen, die an der dritten Auflage des Projekts „Zeitgenössische Kunst erleben“ teilgenommen haben, fühlen sich längst heimisch in der Kunsthalle Fridericianum.

Insgesamt sechs Kinder vom Spielhaus Weidestraße, einer Einrichtung der Kinder- und Jugendförderung der Stadt Kassel, haben das Fridericianum erobert und sind selbst zu Künstlern geworden. Nach dem Vorbild von Nina Canell und Andro Wekua, die zurzeit in der Kunsthalle ausstellen, haben sie eigene Werke hergestellt: Filigrane Gebilde aus Draht, Kabeln, Metallteilen und Elektroschrott sowie Haie, Bananen und Orangen, aus Gips geformt und bunt bemalt. Auch zu den Künstlern selbst haben die Kinder einiges zu sagen. Drei Tage lang haben sie sich zu Experten ausgebildet.

„Andro Wekua ist bei den Kindern sehr viel beliebter als Nina Canell“, sagt Sandra Ortmann, die die Kunstvermittlung im Fridericianum leitet und das Projekt mit Petra Meyer vom Spielhaus konzipiert hat: Die Arbeiten des Georgiers sind schön bunt, die Räume haben eine angenehme Atmosphäre. Ortmann: „Die Kinder sind hochgradig motiviert.“

Ziel des städtischen Programms „Abenteuer Museum“, zu dem das Projekt im Fridericianum gehört, ist, Kindern den Zugang zu den verschiedenen Ausstellungsorten in Kassel zu ermöglichen und Schwellenängste abzubauen, wie documenta-Geschäftsführer Bernd Leifeld und Kulturamtsleiterin Dorothée Rhiemeier bei der Präsentation betonten.

„Kultur erschließt die Welt“, sagte Rhiemeier, „sie hilft, Menschen und ihre Welt besser zu verstehen“ - gerade wo inzwischen jedes zweite Kind aus einer Familie mit ausländischer Herkunft stamme.

„Wir kommen gar nicht mehr hinterher“, so viele Anfragen gebe es mittlerweile, berichtete Ruth Wagner vom Kulturamt. „Abenteuer Museum“ löse große Begeisterung aus. 500 Kinder konnten bislang in den Museen - alle städtischen Häuser machen mit - in andere Rollen schlüpfen, andere Formen des Lernens ausprobieren. Wagner: „Auch für uns ist das ein großes Abenteuer.“

Die Kunstwerke der Kinder sind noch am Mittwoch, 4. Mai, 11 bis 18 Uhr, zu sehen. Weitere Infos: www.fridericianum-kassel.de/projekte.html

Von Mark-Christian von Busse

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