Die Kasseler Caricatura lässt über Atom und Energie lachen

Kern der Komik

Gespaltene Persönlichkeiten: Karikatur von Tetsche.

Kassel. 1955 war sich der Berater von US-Präsident Dwight D. Eisenhower sicher: „Dank der Kernenergie“, schrieb Harold Stassen, „werden wir bald in eine Welt eintreten, in der es keine Krankheit gibt, wo der Hunger unbekannt ist und die Nahrungsmittel niemals verdorben und die Ernten nicht gefährdet sind, wo sogar das Wort ,Schmutz’ aus der Mode gekommen ist und die Hausarbeit sich darauf beschränkt, ein paar Knöpfe zu drücken.“

Heute muss man darüber lachen wie über so vieles in der aktuellen Energiepolitik, die eigentlich eine ernste Sache ist. Am besten geht dies in der neuen Ausstellung der Kasseler Caricatura. „Strahlend wird die Zukunft sein“ zeigt Kernkraftwerke, die in den Wechseljahren sind und darum einfach mal abschalten sollten, wie der „Stern“-Zeichner Tetsche grandios kalauert.

Nach der Atomkatastrophe in Fukushima und der Debatte über das Ende der Kernkraft hier zu Lande begannen die Macher der Galerie für Komische Kunst, an der ersten Ausstellung zum Thema zu arbeiten. Zwei Dutzend Künstler schrieben sie an, alle schickten Arbeiten. Als sie die Einladung fertig hatten, meldeten sich zehn weitere Zeichner, die dabei sein wollten und es nun auch sind.

Zu diesem Thema hat jeder was zu sagen. Allerdings geht es hier nicht nur um Kernkraftwerke, die der Karikaturist Freimut Wössner bereits vor 25 Jahren thematisierte. Den damaligen FDP-Außenminister Hans-Dietrich Genscher ließ er einen klitzekleinen Ausstieg ankündigen, weil die Grünen kurz vor der Niedersachsenwahl vor den Liberalen lagen. Damals war das eine Revolution, heute ist es fast eine Rebellion, wenn ein Hund gegen ein politisch korrektes Windrad pinkelt wie bei Mette.

Es ist eine stilistisch vielfältige Ausstellung zur gesamten Energiedebatte, zum Klimawandel und unserer Zukunft. Mette zeigt, dass nun selbst die Amerikaner Energie sparen müssen: Der elektrische Stuhl ist mit einem Ergometer zur Stromerzeugung versehen - die Verurteilten müssen sich klimaneutral selbst in den Tod strampeln.

Bis 24. Juli, Caricatura Kassel im Kulturbahnhof, Rainer-Dierichs-Platz 1. Do, Fr 14 bis 20 Uhr und Sa, So, Feiertage 12 bis 20 Uhr. Eintritt drei Euro.

Von Matthias Lohr

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