Glänzend geglückt: Nathalie Mohadjer und martinafischer13 stellen in der Galerie Coucou aus

Der Kern des Menschen

Suchen nach künstlerischen Positionen: Milen Krastev, Jörn Peters und Michael Göbel (von links) vom Kuratorenteam der Galerie Coucou mit der Fotografie „Manfred“ von Nathalie Mohadjer. Foto: Fröhlich

Kassel. An einer Wand der Galerie Coucou hängt ein Automat, knallrot und von bestechend schlichter Schönheit. Er pocht wie ein menschliches Herz, nicht übermäßig laut, aber auf die Dauer doch irritierend. Man kann ihn zum Schweigen bringen, indem man ein Geldstück einwirft. Dann herrscht Ruhe. Aber auch diese Stille hat etwas Beunruhigendes, immerhin hat gerade ein Herz aufgehört zu schlagen.

Die dritte Ausstellung der Reihe „Vexierbilder“ in der Galerie Coucou vereint Objekte der Kasseler Künstlerin martinafischer13 mit Fotografien der zurzeit in Paris lebenden Nathalie Mohadjer.

Mohadjer hat über mehrere Monate hinweg das Leben von Bewohnern eines Obdachlosenheims in Weimar dokumentiert und Momentaufnahmen geschaffen, die von großer Intimität zeugen, aber auch von notwendiger Distanz.

„Wir wollen künstlerische Positionen zeigen, die miteinander kommunizieren können“, sagt Galerieleiter Milen Krastev über die in Teamarbeit kuratierte Ausstellungsreihe - ein Konzept, dass bei Nathalie Mohadjer und matinafischer13 glänzend aufgeht. Das Zusammenspiel lässt über die Bedingung des Menschseins nachdenken, über den Kern, der bleibt, wenn man alles Überflüssige (und manches Notwendige) wegnimmt.

Vielschichtig

Vom eben noch pochenden Automaten schaut man auf das Foto eines Mannes, der sich offenbar selbst zum Verschwinden bringen will. Im nächsten Raum hängt eine Reihe von Porträts, die so vielschichtig und dabei auch so komisch sind, dass allein ihr Anblick den Ausstellungsbesuch lohnt.

Auf dem Fußboden brummt ein weiteres Ensemble beseelter Maschinen. Durch Stromkabel mit der Wand verbunden, streben sie wie Rennwagen in alle Richtungen, ohne vom Fleck zu kommen; vergeblich rotieren ihre Räder. Man möchte die kleinen Dinger am liebsten befreien - doch würde in dem Moment, in dem man den Stecker zieht, auch die Energie versiegen, die sie antreibt.

Bis 14. Juli in der Galerie Coucou, Werner-Hilpert-Straße 8. Geöffnet Mi - Sa 18 - 22 Uhr und nach Vereinbarung, www.coucou-coucou.com

Von Fabian Fröhlich

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