Das Balkan-Brass-Quintett Di Grine Kuzine

Ein Kessel Buntes aus der Hauptstadt

Kassel. Konzert oder Tanzparty, diese Frage blieb beim Auftritt des Berliner Balkan-Brass-Quintetts Di Grine Kuzine ein wenig unentschieden. Nicht ganz klar ist auch, in welche Richtung die Band nach einem großen Personaltausch steuert. Nur die beeindruckende Sängerin Alexandra Dimitroff und Snorre Schwarz an seinem markanten Standschlagzeug bilden noch die Stammbesetzung.

Die letzte CD des erfolgreichen Ensembles, „Berlin Wedding“, war noch interkulturelle Identitätssuche, die neue, am Samstagabend im Kulturzentrum Schlachthof vorgestellte CD heißt „Everybody’s Child“ und klingt auch so.

Nun darf man einer Band, die sich auf dem immer heftiger umkämpften Terrain des Balkan-Beats behaupten möchte, nicht stilistische Öffnung vorwerfen. Das bleibt Geschmackssache. Eindeutig ist aber, dass Alexandra Dimitroff aufs Überzeugendste das Timbre der bulgarischen Musik - aus dem Land ihrer Vorfahren - trifft, auch die eigenen Texte auf Deutsch charmant sind. Deutlich ist aber auch, dass Englisch und Französisch nicht die Muttersprachen sind.

Das allerdings schmälert nicht den Eindruck einer hochdynamischen Spaßband, die das Publikum ruck, zuck in vorweihnachtliche Feierlaune versetzte. Es gab tolle Instrumentalpassagen, etwa im „Drum and Bass“-Duo von Schlagzeug und Tuba (Sebastian Kunze), was überzeugend eine Rinderherde imitiert, es fand sich im bunten Stilmix ein Mafiasong, der ein schneidendes Trompetensolo (Martin Gerwig) im Spaghetti-Western-Stil erlaubte, und natürlich gab es die wunderbaren bulgarischen Tanzweisen mit ihren vertrackten Rhythmen und viel Raum für Stefan Fränzels Klezmer-Klarinette und für Dimitroff, die auch ausgezeichnet Akkordeon spielt.

So mäanderte der Abend zwischen dem Mitmach-Kinderlied „Monster“, einer kraftvollen Brass-Band-Adaption des frühen Synthesizer-Hits „Popcorn“, und Balkan-Roots wie „Katerino Mome“. Mal sehen, wo Di Grine Kuzine musikalisch vor Anker geht. Auf jeden Fall herrschte Superstimmung im proppenvollen Saal.

Von Hartmut Schmidt

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