Zwischen Schmuddelimage und hoher Kunst

"Kettensägenmassaker" in Kassel: Randfilmfest zeigt abseitige Klassiker

Horrorklassiker: Teri McMinn (von links) William Vail, Paul A. Partain und Marilyn Burns im Film „Kettensägenmassaker“.

Kassel. In Deutschland war das „Kettensägenmassaker“ 37 Jahre verboten, in New York wird Tobe Hoopers Horrorfilm dagegen längst im Museum of Modern Art gezeigt. Zum 40. Jubiläum wird der Kultstreifen über fünf Jugendliche, die in Texas auf eine Kannibalenfamilie stoßen, auch hierzulande wiederentdeckt.

In Kassel läuft „The Texas Chain Saw Massacre - Blutgericht in Texas“ am 18. Oktober beim ersten Randfilmfest, einem Festival, das sich zwischen dem Schmuddelimage zensierter Werke und hoher Kunst bewegt.

Christoph Langguth, Volker Beller, Benjamin Ulrich und Benjamin Mertens aus Kassel sind Fans abseitiger Filmkunst. Stundenlang können sie über filmische Tabubrüche und cineastische Freigeister diskutieren. Vom 17. bis 19. Oktober wollen sie Filme, „die im kommerziellen Bewusstsein keinen Platz finden“, auf die große Leinwand bringen, wie es in ihrem Manifest heißt. In der Ausstellungshalle Interim am Kulturbahnhof rechnen sie mit bis zu 120 Gästen pro Aufführung.

Die vier Filmfreunde schwärmen von Streifen wie David Lynchs „Eraserhead“ und Pier Paolo Passolinis „Die 120 Tage von Sodom“. Es geht ihnen um ungewöhnliche Erzählweisen und manchmal auch um blutige Schockeffekte. Das Lustige am 1974 gedrehten „Kettensägenmassaker“ ist, dass dort kaum Kunstblut und erst recht kein echtes fließt. Regisseur und Autor Hooper, dessen Geschichte von einem Serienmörder inspiriert ist, lässt den Horror im Kopf des Zuschauers entstehen.

Ihre Initiative, aus der einmal ein Verein werden soll, wollten die Organisatoren ursprünglich Brandfilm nennen - weil sie für Filme brennen. Durch einen Tippfehler ist daraus Randfilm geworden, was noch besser passt: Die Filme befinden sich weitab vom Mainstream und am Rand des Arthouse-Programms, wie Langguth sagt.

Die Organisatoren: (von links): Benjamin Ulrich, Benjamin Mertens, Christoph Langguth und Volker Beller. Fotos: dpa/nh

Ihr Angebot soll auch keine Konkurrenz zum Filmladen sein, wo Ulrich, einer der Initiatoren, als Vorführer arbeitet. „Wir wollen das Kino-Programm der Stadt noch vielfältiger machen“, sagt Beller, der sich auch als Konzertveranstalter einen Namen gemacht hat.

Zum Festivalauftakt gibt es darum auch eine Party im Club Unten, eine Musical-Aufführung der Künstlerin Dubais sowie eine Hommage an das „Kettensägenmassaker“: Der Kasseler Electro-Musiker Grebenstein führt vor dem Film sein „Requiem for Marilyn Burns“ auf. Die Hauptdarstellerin ging als Scream-Queen in die Filmgeschichte ein. Auch Schreien ist eine Kunst.

Die Filme

17. Oktober (20.15 Uhr):  El Topo (surrealer Western des Chilenen Alejandro Jodorowsky, 1970)

18. Oktober (20.15 Uhr): The Texas Chain Saw Massacre (Horrorfilm des US-Amerikaners Tobe Hooper, 1974)

19. Oktober: The King of Pigs (Drama des Südkoreaners Yeon Sang-ho, 2011)

Ort: Interim am Kulturbahnhof, Franz-Ullrich-Straße 6. Infos und Karten: www.randfilm.de

Von Matthias Lohr

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