Der indische Superstar geht filmisch neue Wege - Protest und Jubel

Khan, und wie er die Welt sieht

Gutherziger Schelm: Shah Rukh Khan in einer Szene aus „My Name is Khan“ mit der Schauspielerin Kajol. Foto: Twentieth Century Fox

Berlin. Er hat zwar weltweit eine Milliarde Fans und ist der bedeutendste Star des indischen Kinos, trotzdem wird Shah Rukh Khan auf jedem internationalen Flughafen gefilzt. „Muss an meinem Namen liegen“, sagt der blendend aussehende Star mit den verträumten Augen.

Genau um solche Vorurteile geht es in seinem neuen Film „My Name is Khan“. Shah Rukh spielt darin Rizvhan Khan, einen indischen Muslim in den USA, der nach dem 11. September zunehmend mit Rassismus konfrontiert wird. Regisseur Karan Johar hat sich außerdem ausgedacht, dass Rizvhan unter Asperger-Autismus leidet - ein indischer Rain Man.

Rizvhan ist ein gutherziger Schelm, der Wahrheiten aussprechen kann und Amerikas Bevölkerung (und hier wird es märchenhaft) verändert. Mit knallbuntem Indienflair hat dieses neue Projekt nicht mehr viel zu tun. Das indische Herz sollte aber bleiben, betont der Hauptdarsteller bei der Vorstellung des Films im Wettbewerb der Berlinale. Die typische Länge mit fast drei Stunden auch.

Der 44-jährige Vater zweier Kinder verbindet die Welten: Auch in Deutschland wird er geliebt, auch - oder gerade weil - das schwelgerische Bollywoodkino in das 90-Minuten-Kino- und Fernsehvermarktungsformat so gar nicht hineinpasst, weil eben auch die dargestellten Gefühle so viel größer, leidenschaftlicher sind als in jedem ZDF-Zweiteiler. Und er liebt zurück, verbeugt sich vor seinem Gastland, bis die Nase den Tisch berührt, schwärmt von den deutschen Frauen.

Draußen auf der Straße warten tausende Fans auf ihr Idol. Haben extra die indische Hymne einstudiert, um ihren Star zu feiern. In Mumbai sieht das anders aus: Als „My Name is Khan“ dort am Freitag starten sollte, mussten extremistische Hindus von Polizisten zurückgedrängt werden, es gab 1600 Verhaftungen. Der Protest bezieht sich auf Khans Rüge, der Trainer einer von ihm finanzierten Kalkuttaer Cricketmannschaft nehme keine pakistanischen (sprich: muslimischen) Spieler auf.

In Berlin wiegelte Shah Rukh Khan ab: Er wolle mit allen Menschen vernünftig reden. Ideologien und Religionen dürften nicht trennen. Er würde nie vergessen, dass er Künstler sei und die Menschen nur unterhalten wolle. Und: „Vergesst nicht zu beten“.

Von Bettina Fraschke

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