Karoline Herfurth im Interview über den deutschen Vampirfilm „Wir sind die Nacht“

„Kick vom Bluttrinken“

Wildes Straßenmädchen: Karoline Herfurth als Lena in „Wir sind die Nacht“. Foto:  Verleih/ nh

In Dennis Gansels diese Woche anlaufendem Vampirfilm „Wir sind die Nacht“ spielt die gefragte Jungschauspielerin Karoline Herfurth das Straßenkid Lena, das in Berlin in den Bann eines weiblichen Blutsauger-Trios gerät.

Was erwartet den Zuschauer in „Wir sind die Nacht“?

Karoline Herfurth: Es ist ein sehr spannendes Projekt, weil man etwas Ähnliches in Deutschland noch nicht gesehen hat. Ich glaube, dass dieser Film unheimlich viel Spaß machen kann. Gleichzeitig geht er auch unter die Haut.

Regisseur Dennis Gansel hatte die Idee zum Film schon vor vielen Jahren. Sicherlich war es der Erfolg von „Twilight“, der dem Projekt den Weg geebnet hat. Ist man hierzulande zu wenig mutig, wenn es um neue Ideen geht?

Herfurth: Es ist schon interessant, dass dieses Projekt erst dann realisiert werden kann, wenn Amerika in Vorleistung gegangen ist. Das wirkt natürlich dann, als sei es nachgemacht, dabei ist dem gar nicht so. Ich würde mir wünschen, dass man in dieser Beziehung mutiger wird.

Können Sie mit den Twilight-Filmen etwas anfangen?

Herfurth: Ich habe nur den ersten gesehen. Es ist ein netter Film, aber tief bewegt hat er mich nicht.

Was kann Hollywood mit viel Geld leisten, was wir nicht können?

Herfurth: Geld heißt Zeit und Zeit bedeutet Qualität. Man hat andere Möglichkeiten, für andere Geschichten und für ein anderes Aussehen von Filmen. Das macht Qualität aus. Es wirkt sich auch auf die Qualität aus, wenn man das Team ordentlich bezahlen und ihm Ruhezeiten einräumen kann. Die Arbeitszeiten hierzulande und die Zeit, in der man einen Film machen muss, sind schon sehr taff.

Wie intensiv haben Sie sich mit den Vampirmythen auseinandergesetzt?

Herfurth: Ich habe recherchiert, wie man mit einer solchen Verwandlung umgehen kann, mit der neuen Körperlichkeit, in der man steckt. Was sind es für Gefühle, wenn man auf Entzug ist? Wie kann es aussehen, wenn man vom Bluttrinken einen Kick bekommt?

Woher rühren der Reiz und die Sexyness von Vampiren?

Herfurth: Der Vampir steht für das Lüsterne, Verführerische, Verbotene. Demgegenüber steht die Moral, die Reinheit. Es ist ein Urkonflikt unseres Lebens, damit umzugehen, was erlaubt ist und was nicht, was richtig ist und was falsch. Wo muss ich mir Grenzen setzen, mich disziplinieren? Vampire müssen das nicht, sie sind frei. Es geht aber auch um andere Fragen.

Zum Beispiel?

Herfurth: Das ewige Leben, das sichfreimachen vom Tod. Lena gerät genau zwischen diese Welten. Sie wird von der Vampirwelt verführt und erlebt eine Freiheit, die sie nicht kannte. Alle Grenzen, die ihr das menschliche Dasein gesetzt hat, sind aufgehoben. Aber je länger sie diese Welt lebt, umso stärker spürt sie, was sie verloren hat: ihre eigene Welt, die Liebe.

Von André Wesche

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