Kieler Abwege: Der „Tatort" in der TV-Kritik

Dass Borowski den Fortgang von Polizeipsychologin Frieda Jung nicht überwunden hat, war offensichtlich: Nervös, fahrig, manchmal abwesend spielte Axel Milberg den Kieler Ermittler in „Borowski und der vierte Mann“ von Daniel Nocke (Buch) und Claudia Garde (Regie).

Noch schlimmer - so scheint es nach dem gestrigen Krimi - trifft der Abgang der spröden Psychologin die gesamte innere Balance des „Tatorts“ aus dem hohen Norden. Der wurde bislang zumeist als Kammerspiel ohne billige Effekthascherei inszeniert. Nun hieß es im Vorspann „Nach Motiven von Henning Mankell“ - und so kam es dann auch: Ein säuberlich abgetrennter menschlicher Schädel auf dem Tisch, ein ebensolcher Fuß in einer Tierfalle.

Dekadente Schnösel in einem noblen Herrenhaus, illegale Bärenjagd in Schleswig-Holsteins Wäldern - oh je, der Kieler „Tatort“ begibt sich auf Abwege, die ihm möglicherweise nicht gut bekommen werden. Das soll nicht heißen, dass schlecht geschauspielert wurde. Im Gegenteil: Axel Milberg war wie immer sehenswert; Susanne Wolff spielte die reiche Erbin mit kühler Dekadenz. Eingefleischte Borowski-Fans aber brauchen weniger die spektakulären Fälle, sondern die mit psychologischem Tiefgang und menschlichem Einfühlungsvermögen. Und - natürlich - Frieda Jung.

Von Wolfgang Blieffert

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