Wie in der Kiezkneipe: Werner Lämmerhirt im Theaterstübchen

Kassel. Er weiß, dass er nuschelt. Sich verspielt. Auch die Songtexte sind nicht immer präsent. Das alles spielt beim 63-jährigen Liedermacher Werner Lämmerhirt keine Rolle.

Im Laufe des Konzertabends im gut gefüllten Theaterstübchen gewöhnte man sich daran. Denn wenn es funktionierte, erlebte man ihn als Meister poetischer Sprachkunst und gitarrentechnischer Raffinesse.

Die goldenen Jahre des Genre waren die Siebziger, in denen Künstler wie Hannes Wader, Ulrich Roski oder F. J. Degenhardt sich mit gesellschaftskritischen Tönen eine relativ große Fangemeinde erspielten. Lämmerhirt positionierte sich eher als Gitarrist. Seine eigenen Lieder in deutscher Sprache entstanden ein paar Jahre später. Aktuell präsentiert er Instrumental-Kompositionen und Text in einem ausgewogenem Verhältnis.

Die dritte Komponente seines Auftritts, die Mischung aus Erzählen und dem Stimmen seiner Gitarren, war nicht minder interessant. Dadaistisch eingefärbte Banalitäten, eingebettet in die permanente Suche nach dem perfekten Klang seiner Instrumente, wirkten so kurzweilig wie Kiezgebrabbel in einer Kneipe im Berliner Wedding. Zehn Minuten im Geiste der 68er, dann virtuoses Delta-Blues-Fingerpicking im Stil eines Chet Atkins. Bei Lämmerhirt fließt noch Blut durch die Adern, keine Bits und Bytes. Wer ein perfekt organisiertes Konzert erwartet hatte, ging nach der Pause. Der Rest des Publikums spendete großen Applaus für eine Ikone deutscher Liedkunst.

Von Andreas Köthe

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