Das Kind im Panda

Warum man den Rapper Cro einfach nur lieb haben kann

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Dieser Panda ist nicht vom Aussterben bedroht: Mit „Easy“ wurde Cro vor zwei Jahren zum Star. Auch seine neue Single „Traum“ ist schon ein Nummer-eins-Hit. Der Traum des Carlo Waibel (24), der sein Gesicht hinter der Maske versteckt, geht weiter. Foto: Baum

Der erfolgreichste deutsche HipHopper ist 24 und immer noch ein Kind. So rappt es Cro jedenfalls auf seinem zweiten Album, das heute erscheint. In „Never Cro Up“ heißt es: „Scheiße auf Erwachsensein und den ganzen Kackverein.“

Zudem zitiert der Stuttgarter einen beliebten Schulhofreim: „Sag mal Klettergerüst - Du hast ’ne nackte Frau geküsst.“

Die weiblichen Musikfans werden Cro immer noch küssen wollen. Dabei versteckt sich Cro weiterhin hinter dieser albernen Pandamaske, die sein Privatleben schützt und vor zwei Jahren zum Symbol wurde für einen Machtwechsel im deutschen HipHop. Bis dahin gaben Brutalo-Rapper wie Sido und Bushido den Ton an.

Mit Cro und dem aus Bielefeld stammenden Casper tauchten auf einmal smarte Typen auf, die nicht nur einen auf dicke Hose machten, dafür aber Genregrenzen einrissen. Cro mischte Samples von Indierock-Bands mit Pop-Melodien und HipHop. „Raop“ nannte er seinen Stil, mit dem er einen beispiellosen Erfolg hatte: Jede seiner Singles erlangte Platin-Status.

„Ich habe überwiegend gute Laune. Es ist nicht viel Scheiße passiert, deshalb schreibe ich darüber, dass es mir gut geht.“

Die Pandamie geht nun weiter. „Melodie“ bietet genau das, was der Titel verspricht. Cro rappt nett über die Liebe und erinnert mit den lässigen Beats an den US-Westküsten-Rap der 90er, mit dem er am Rand der Schwäbischen Alb aufgewachsen ist. Man muss ihn einfach lieb haben.

Eben das halten manche für ein Problem. Sie finden, Cro habe keinen Penis (wie die Berliner „taz“ geschmacksspießerisch ätzte), er sei belanglos und ein Prototyp der Generation „Gefällt mir“, die alles gut finde, aber nichts zu sagen habe. Cro hat tatsächlich über zwei Millionen Facebook-Fans. Aber was soll daran doof sein?

Und was soll daran schlecht sein, wenn es einem gut geht? „Ich habe überwiegend gute Laune, es ist nicht viel Scheiße passiert, deshalb schreibe ich darüber, dass es mir gut geht“, sagt Cro, der eigentlich Carlo Waibel heißt und bei der „Stuttgarter Zeitung“ eine Ausbildung zum Mediendesigner absolvierte, ehe er über das Internet berühmt wurde.

Das Geld, das er ohne die Unterstützung eines Plattenriesen verdiente, hat er in sein eigenes Modelabel gesteckt. Ansonsten hat er sich ein Klavier gekauft und für seine Mutter eine Citroën-Ente. Diese Bescheidenheit ist untypisch für das Rap-Geschäft, aber sehr sympathisch.

Mit seinem Bruder hat Cro eine Wohnung in Stuttgart, wo ihn ohne Maske immer noch keiner erkennt. Die 14 neuen Songs hat er wieder im Keller seiner Eltern aufgenommen. Frauen nennt er in seinen Texten nur „Girls“ und „Babes“. Wenn es nicht um die Cro-Hasser geht wie in „I Can Feel It“, geht es um die Liebe. In „Cop Love“ erzählt Cro, wie er von einer Polizistin angehalten und verführt wird. Anders als bei Gangsta-Rappern ist „Ich fick die Polizei“ hier wörtlich zu nehmen.

Offensichtlich ist das erwachsene Kind gerade in der Pubertät. Dafür spricht auch der zweite Schulhofreim in „Never Cro Up“: „Sag mal Tomate - Dein Pimmel kann Karate.“

Cro: Melodie (Chimperator / Groove Attack).

Wertung: vier von fünf Sternen

Von Matthias Lohr

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