Die professionelle Tanzschule „Sozo Visions“ von Deborah Smith-Wicke entlässt nach drei Jahren ihre ersten Absolventinnen

Das Kind wird langsam groß

Sie haben jetzt das Diplom: Die Tänzerinnen Lisa Oettinghaus (vorn von links), Schulleiterin Deborah Smith-Wicke und Susanne Horn sowie (hinten von links) Sarah Scheer, Mareike Steffens, Verena Voss, Tanzpädagoge Andreas Starr, Mirjam Rauch und Sarah Riash zwischen den Proben für zwei Stücke, die am Wochenende im tif aufgeführt werden. Foto: Herzog

Das Letzte, was Lisa Oettinghaus vor drei Jahren machen wollte, war, nach Kassel zu gehen. Die damals 20 Jahre alte Tänzerin aus Dortmund hatte gerade ein neunmonatiges Ausbildungsprogramm in Houston hinter sich und hätte an einer staatlichen Schule in Amsterdam eine Tanzausbildung beginnen können. Dann hörte sie von der privaten Tanzschule „Sozo - Visions in Motion“ - und ging doch nach Kassel.

Drei Jahre später hat Oettinghaus gerade die Abschlussprüfungen in Kassel hinter sich gebracht und ist nun Diplom-Tänzerin. Demnächst tanzt sie am Theater in Nordhausen vor. Wenn alles klappt, bekommt sie gleich eine Festanstellung. Die 23-Jährige sagt jetzt: „Kassel war das Beste, was ich machen konnte.“

Die Erfolgsgeschichte von Oettinghaus beweist, dass es eine gute Idee war, als Deborah Smith-Wicke 2007 Kassels erste „vollzeitliche, professionelle moderne Tanzausbildung“ gründete. Sieben Tänzerinnen bekommen in diesen Tagen ihr Abschlusszeugnis. Am Wochenende stellen sie sich noch einmal dem nordhessischen Publikum vor, wenn sie Choreografien von Valentina Cabro und Michael Langeneckert auf die Bühne des tif bringen. Smith-Wicke (39) kann stolz sein - und trotzdem will die ehemalige Tänzerin des Kasseler Staatstheaters und Mutter einer vierjährigen Tochter jetzt erst einmal durchatmen. Denn: „Ich habe drei Jahre Stress gehabt.“

Anfang nächsten Jahres gibt es wieder Vortanztermine, ehe der nächste dreijährige Ausbildungsjahrgang im Herbst 2011 starten soll. Bis dahin will Smith-Wicke neue Räume finden. Bislang hatte sie die Tanzwerkstatt von Pamela Hering am Opernplatz angemietet, die auf Dauer zu klein ist.

Ihre Idee war eine ganzheitliche Ausbildung zwischen klassischem Ballett und modernem Tanz, mit professionellen Trainern und Choreografen wie Johannes Wieland vom Staatstheater. Die Sozo-Schule sollte sich nicht hinter staatlichen Ausbildungsstätten verstecken müssen. Das hat geklappt. Oettinghaus sagt: „Hier kann man intensiv und interdisziplinär arbeiten und hat außerdem mehr Raum, sich zu entwickeln.“

430 Euro haben sie und ihre sechs Mitstudentinnen jeden Monat bezahlt. Sechs Tage in der Woche gab es jeweils von 8.30 bis 14.30 Uhr Unterricht. Wer zu spät kam, der musste schon mal den Rest der Einheit zuschauen. Tanzen sieht oft sehr leicht aus, aber dafür braucht es sehr viel Disziplin und auch Pünktlichkeit. „Es war eine hohe körperliche Belastung“, sagt die 34-jährige Susanne Horn, die schon mit 20 kurz vor einer Tanzausbildung in Arnheim stand, dann aber schwanger wurde und nicht nach Holland ging.

Seitdem arbeitet die Autodidaktin an mehreren Tanzschulen. So finanzierte sie sich ihr Geld für die eigene Ausbildung bei Sozo. „Ich will weiter mit Tanzen mein Geld verdienen“, sagt Horn, die auch Teil der Sozo-Compagnie ist. Mit Smith-Wicke und Annika Hoffmann tanzte sie das Stück „Komm in meine Arme, du bist mein Teig“. Drei Mütter im wirklichen Leben, die auf der Bühne tänzerisch vom Elternsein erzählen. Die Sozo-Schule ist das Kind von Deborah Smith-Wicke - und auf dem besten Weg, groß und stark zu werden.

Sehnsucht. Zwei Tanzstücke von Valentina Cabro (Eudoxxia) und Michael Langeneckert (f2f): Samstag und Sonntag, 20.15 Uhr, tif, Theater im Fridericianum. Karten: 0561/1094-222.

Bewerbungen für die nächste Ausbildung bei Deborah Smith-Wicke unter www.sozo-vim.de

Von Matthias Lohr

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